Das „Stafforter Buch“ – alt und neu!

Das „Stafforter Buch“ kehrte nach 422 Jahren heim – und wurde neu aufgelegt!

Zwei Ereignisse geben uns Anlass zur Freude: Das „STAFFORTER BUCH“ kehrte nach 422 Jahren heim; und das darin enthaltene „STAFFORTER BEKENNTNIS“ wurde neu herausgegeben!

Dank der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe konnte die Stadt Stutensee ein äußerst rares Original-Exemplar des 1599 von Markgraf ERNST FRIEDRICH von BADEN – DURLACH verfassten und in seinem Stafforter Wasserschloss gedruckten theologischen Buches erwerben und es so der Bürgerschaft vornehmlich im Stadtteil Staffort nun leicht zugänglich machen.

Dazu erschien neu sein Kernstück, das „STAFFORTER BEKENNTNIS“, mit dem der Badische Markgraf auf der Basis des Augsburger Bekenntnisses eine vermittelnde Glaubensbrücke zwischen dem lutherischen Württemberg, Baden-Durlach und der reformierten Kurpfalz schlagen wollte.

Der Text wurde dem heutigen Deutsch stark angenähert; ist es nun gut lesbar und leichter zu verstehen.

Aufsätze von Prof. Johannes Ehmann (Heidelberg) über die geschichtliche und theologische Bedeutung des Buchs und von Prof. Manfred G. Raupp (Staffort) über das frühere Stafforter Wasserschloss sowie Geleitworte von Landesbischof, Oberbürgermeisterin, Ortsvorsteher und Herausgebern runden das Buch ab.

Das Buch ist erschienen im J.S. Klotz Verlagshaus Neulingen mit 224 Seiten, erhältlich für 16,50 € in Bürgerbüro, Pfarramt, Kirche und im Buchhandel.

Mit der Festpredigt von Prälat Prof. Dr. Traugott Schächtele und Ansprachen von Ehrengästen und Verantwortlichen wurde die Ausstellungswoche zum Stafforter Buch von 1.-8. August feierlich eröffnet, gefolgt von einem Gang durch die Ausstellung und einem Empfang zur geselligen Aussprache. und am 8. August predigte Prälat i.R. Dr. Helmut Barié, der schon 1999 beim 400-jährigen Jubiläum des „Stafforter Buchs“ die Festpredigt hielt.

Der einwöchigen Ausstellung statteten immerhin über 60 Personen ein Besuch ab und machten sich ein eigenes Bild vom „alten und neuen“ Stafforter Buch, seinem Umfeld, der Zeitgeschichte – und sogar von einigen Trümmersplittern und Scherben des 1689 vollends geschleiften Stafforter Schlosses, die bei zahllosen Spaziergängen über den Schlosshügel gefunden wurden.

Wir hoffen, durch unsere Bemühungen nicht nur das „Stafforter Buch“ selbst bekannter zu machen, sondern damit auch den gemeinsamen Glauben aller Christen insgesamt zu bezeugen und das uns alle verbindende Bekenntnis zu Jesus Christus und dem dreieinigen Gott zu bestärken .

 

Martin Strohal schreibt in „meinstutensee.de“:

 

Stutensee kauft “Stafforter Buch” von 1599

 

Originalausgabe des Stafforter Buchs
Bild: Martin Strohal
Von Martin Strohal | 26.06.2021 12:45
Große Freude und Begeisterung herrschten vergangenen Donnerstag in Staffort. Eine Originalausgabe des “Stafforter Buches”, 1599 im damaligen Stafforter Schloss gedruckt, konnte durch einen glücklichen Zufall in den USA erworben werden. Das Buch, verfasst von Markgraf Ernst Friedrich, enthält dessen protestantisches Glaubensbekenntnis. Pfarrer Holger Müller übertrug den Text in heutiges Deutsch und veröffentlichte ihn in einem Buch, das ab sofort erworben werden kann.


Altes und neues Stafforter Buch

 

 

 

Pfarrer Holger Müller von der evangelischen Kirchengemeinde Staffort-Büchenau hatte schon zu seinen Studienzeiten vom “Stafforter Buch” des Markgrafen Ernst Friedrich von Baden-Durlach gehört. Das Thema lag ihm am Herzen. Dass er kurz vor Weihnachten vergangenes Jahr auf der Website eines Antiquariats aus Philadelphia (USA) auf eine Originalausgabe stieß, sei ein großer Zufall gewesen. Ein Fachmann wurde hinzugezogen, der die Echtheit bestätigte. Unter Beteiligung von Ortshistoriker Manfred Raupp und Ortsvorsteher Ludwig-Wilhelm Heidt konnten Bürgermeister Edgar Geißler und Oberbürgermeisterin Petra Becker begeistert werden. “Es wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt”, berichtete Becker. Mit Unterstützung der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe konnte das Exemplar für umgerechnet gut 3.000 Euro erworben werden und wird nun in Staffort sicher verwahrt. “Wir können Geschichte in die Zukunft tragen und Impulse für unser heutiges Handeln daraus gewinnen”, so Becker. Es handle sich um ein geschichtsträchtiges Dokument mit hohem historischen Wert.
vlnr: Verleger Jeff Klotz, stv. Ortsvorsteherin Melitta Bernauer, Bernhard Sauer (Kulturstiftung der Sparkasse), OB Petra Becker, Manfred Raupp, Pfarrer Holger Müller, Prälat Traugott Schächtele 
Pfarrer Müller nutzte die Corona-Zeit, um das Werk in etwa einem Monat in heutiges Deutsch zu übertragen. Er sehe es als Aufgabe eines Gemeindepfarrers, Identität zu vermitteln. Zusammen mit einer von Manfred Raupp verfassten Geschichte des Stafforter Wasserschlosses, wo das Buch vor 422 Jahren in einer Auflage von vermutlich etwa 50 Exemplaren gedruckt worden ist, wurde daraus ein neues Werk, das ab sofort im Bürgerbüro sowie im Buchhandel für 16,50 Euro erhältlich ist.
Zur Präsentation des gekauften Originals sowie der Veröffentlichung der Neuausgabe am Donnerstag in der Stafforter Kirche waren neben den direkt am Projekt Beteiligten gemeinsam mit Verleger Jeff Klotz auch die Geldgeber von Stadt und Kulturstiftung der Sparkasse sowie sowie Vertreter der Landeskirche und Experten in Kirchengeschichte anwesend.

Verfasser Ernst Friedrich von Baden-Durlach
 
“Evangelisch ist nicht nur Lutherisch”, erläuterte Hans-Georg Ulrichs, Hochschullehrer für Kirchengeschichte. Auch Melanchton, Zwingli und Calvin seien nicht zu vergessen. Aber was sei das richtige Bekenntnis? In Baden habe sich Markgraf Ernst Friedrich sehr mit Theologie beschäftigt und unter den Reformatoren den rechten Glauben gesucht. Das “Stafforter Buch” stelle sein Privatbekenntnis dar und sollte einen Versöhnungsversuch zwischen Lutheranern und Calvinisten darstellen. Das Buch löste allerdings erhebliche kontroverse Diskussionen aus. Es sei nie offiziell von der Kirche anerkannt worden und schnell in Vergessenheit geraten. Durch spätere Bezüge darauf wurde es dennoch in der ganzen Welt bekannt. Erst im Jahr 1821 fand die Kirchenunion in Baden statt, bei der sich die Lutheraner und die Reformierten zusammenschlossen. In diesem Jahr feiert die Landeskirche das 200. Jubiläum.
Vom 1. bis 8. August soll in Staffort eine Festwoche stattfinden, bei der das alte Stafforter Buch zu sehen sein wird. Gruppenführungen sollen auf Anfrage stattfinden. Bei entsprechender Nachfrage sei auch eine englische Übersetzung der Neuausgabe denkbar.

 

Bildquellen

  • Altes und neues Stafforter Buch: Martin Strohal
  • Vorstellung des Stafforter Buchs: Martin Strohal
  • Ernst Friedrich von Baden-Durlach: Martin Strohal
  • Originalausgabe des Stafforter Buchs: Martin Strohal

Wiedergabe des Artikels hier: mit freundlicher Genehmigung des Autors