Klinikseelsorge in Coronazeiten: Wege finden

Klinikseelsorge in Coronazeiten:

Wege finden

 

Mitte März kam vom Land Baden-Württemberg die Anordnung, dass in Kliniken alle Besuche verboten sind. Erlaubt war Sterbebegleitung,  Seelsorge in der Psychiatrie und Besuche auf Anforderung. Besuch zu bekommen, das ist so wichtig für die Menschen in der Klinik. Die Gespräche mit den Angehörigen fehlten, die Grünen Damen und Herren, die kleine Besorgungen machen, die Patientenbücherei und natürlich die Seelsorgebesuche. Ich bin viel auf den Früh-Reha-Stationen unterwegs. Ich kenne dort Menschen, die manchmal seit Monaten da sind. Es tat mir richtig weh, dass ich nicht mehr nach ihnen sehen konnte. Am Anfang stand also die große Frage:  Wie kann ich Wege finden trotz Kontaktsperre diese Menschen weiterhin zu begleiten?

Zu meiner Erleichterung fanden Angehörige mich: Eine Frau rief mich weinend an und bat mich zu ihrer schwerkranken Tante zu gehen, ihr die Hand zu halten und ihr liebe Grüße auszurichten.  Die Namen derer, die sie grüßten, diktierte sie mir ins Telefon. Da war auch die Verzweiflung, sich nicht von der Tante verabschieden zu können.  Mit dem Sohn und dem Enkel konnte ich dann noch eine  Krankensegnung feiern. Wie gut.

Es sind in dieser Zeit auch verstärkt Patient*innen aus der Psychiatrie auf mich zugekommen, die ich dann über längere Zeit begleiten durfte.

Per Hauspost verschickte ich Ostergrüße an Mitarbeitende. Daraus ergaben sich neue Kontakte.  Gespräche zwischen Tür und Angel: Über die Verunsicherung durch Corona, über das veränderte Leben, über die Liebe und den Tod.

Gottesdienste wurden durchgängig jeden Sonntag gefeiert und wie immer über den Hauskanal übertragen. In leerer Kapelle mit Musik vom CD-Spieler. Das war anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Ich habe mir dann die Menschen vorgestellt, von denen ich wusste, dass sie jeden Sonntag zuhören. Das half. Ich meine mittlerweile, dass dadurch die Gebete und Predigten persönlicher werden. So kam ich auf die Idee, dieses Medium auch für tägliche Andachten in der Karwoche zu nutzen. Zum Glück sind die Techniker im Klinikum, die die Übertragung organisieren, so hilfsbereit.

Gefunden werden und Wege finden. Manchmal  gelang das auch auf Umwegen: Besuche auf den Zimmern waren nur auf Anforderung möglich. Das wussten die Patient*innen aber nicht. So haben Pflegekräfte und Therapeut*innen auf den Früh-Reha-Stationen bei den Menschen angefragt, ob sie gerne besucht werden wollten. Bis Pfingsten hatte ich  dadurch eine Gruppe von Menschen, die ich regelmäßig „auf Anforderung“ besuchen konnte.

Mittlerweile hat sich alles wieder etwas normalisiert. In den Gottesdiensten gibt es wieder Orgelbegleitung. Die geistliche Gesprächsgruppe auf der Schmerzstation findet wieder statt, die Dialysepatient*innen dürfen wieder besucht werden, und auch die Patient*innen auf der Stroke, der Schlaganfall-Intensivstation.

Im Rückblick kann ich sagen:  Durch die Initiative und Mithilfe vieler Menschen und durch die eingespurten Kommunikationssysteme in der Klinik  haben sich überraschend viele Wege gefunden, Menschen zu begleiten. Für sie da zu sein,  zuzuhören und sie zu trösten.  Gott sei Dank.

Wenn Sie einen Besuch für Ihre Angehörige  in der Klinik wünschen, für sich selbst gerne  ein Gespräch hätten oder Grüße ausrichten möchten, dann können Sie gerne anrufen. Wir Klinikseelsorgende sind gut vernetzt. Auf Wunsch  informieren wir uns gegenseitig, wenn Patient*innen in eine andere Klinik verlegt werden, damit sie auch dort weiter seelsorgerlich begleitet werden können.

Stefanie Fischer-Steinbach, Pfarrerin in der SHR-Klinik Langensteinbach