„Kindlwiagn“ in Staffort und Weingarten / Baden

Ein weihnachtliches „Kindlein-Wiegen“ war im Neujahrs-Gottesdienst in Staffort und im Epiphanias-Gottesdienst in Weingarten zu erleben und mitzufeiern.

Wiegenlieder aus acht Jahrhunderten verschiedener Herkunft erklangen zum Zuhören und Mitsingen, angefangen mit „Joseph, lieber Joseph mein“ aus dem 14. Jh. bis hin zu „Mary, did you know“ aus dem 20. Jh. – interpretiert von Lilli Seiter, Sopran, Margarita Rempel bzw. Beate Siegrist an der Orgel und Holger Müller an Keyboard bzw. Flügel.

Dieser alpenländische Brauch existierte seit dem hohen Mittelalter (erstmals erwähnt 1165) und umfasste neben einer schaukelbaren Wiege auch ein in Windeln gewickeltes Jesus-Kind aus Holz oder aus Wachs, das auch durch die Reihen der Mitfeiernden gereicht wurde; außerdem wurde dazu bisweilen getanzt.

Seit 2015 wird es in einzelnen katholischen und evangelischen Kirchen wieder praktiziert – mit durchweg positivem Echo für eine Jesus-Frömmigkeit, die zu Herzen geht, wie sie auch bei Martin Luthers „Vom Himmel hoch,  da komm ich her“, Paul Gerhardts „Ich steh‘ an Deiner krippen hier“ und beim letzten Christfest 200 Jahre alt gewordenden Weihnachtslied schlechthin Pate stand: „Stille Nacht, heilige Nacht“ (T: Joseph Mohr 1816(!), M: Franz Xaver Gruber 1818).