Geistlich-Intuitive Gemeinde-Leitung

Geistlich-Intuitive Gemeinde-Leitung!

„Den Kirchenbezirk Karlsruhe-Land neu entdecken. Geistliche Orientierung in wachsender Komplexität“

Ev. Dekanats-Konferenz  8.-11. Juli 2019 in Monbachtal

35 Gemeinde-Diakoninnen und -Diakone, Pfarrerinnen und Pfarrer nahmen an der Dekanats-Konferenz, die Dekan Dr. Martin Reppenhagen und Schuldekan Stephan C. Thomas alle zwei Jahre in dieser Form organisieren. Sehr erfreulich: die – wie schon 2015 am selben Ort – über 90-prozentige Teilnahmequote!

Zum drei Tage lang geübten Perspektiv-Wechsel leiteten Prof. Dr. Reiner Knieling und Pfrin. Isabel Hartmann vom VELKD-Gemeindekolleg Neudietendorf bei Erfurt an.

Die schwierigsten Herausforderungen der Gemeindearbeit sind nicht KOMPLIZIERTE PROBLEME, die mit entsprechend handwerklich ausgefeilten „TOOLS“ (Werkzeugen, Strategien) behandelt und GELÖST werden könnten. Vielmehr haben wir es nicht einfach mit Sachproblemen, sondern vor allem mit Menschen zu tun, die ungemein KOMPLEXE Gemengelagen aus verschiedenartigsten Dimensionen in die Interaktion einbringen. Alle Beteiligten agieren auf der wahrnehmbaren Ebene mit Argumentationen und Verhaltensmustern an den in den Vordergrund gestellten Aufgaben, Sachfragen und Konfliktlinien. Doch ausschlaggebend für Auftreten, Lern- und Kompromiss-Fähigkeit ist die emotionale Ebene, die sich aus individuellen, positiv oder negativ besetzten Vorerfahrungen speist. Anders gesagt: Entscheidungen fallen spontan „aus dem Bauch heraus“ und werden erst im Gefolge reflektiert und rational legitimiert.

Diese KOMPLEXITÄT in den lebendigen Organismen von Gemeinde, Kirche und somit auch Kirchenbezirk gilt es wahrzunehmen und ernstzunehmen. Dies aber nicht als zusätzlichen Unsicherheitsfaktor im mechanistischen Problemlösungshandwerk eines Gemeinde-Ingenieurs, sondern als die nicht nur ebenbürtige, sondern vielmehr übergeordnete Realität des komplexen geistlichen Leibes Jesu Christi: Sie ist die eigentliche Dimension verantwortlichen Handelns und Leitens. In ihr bedarf es vornehmlich geistlich-intuitiven Einfühlens und Erspürens der komplexen Situationen und Emotionen, Verletzungen und Traumata, Visionen und Wunschträume aller Beteiligten, um daraufhin ebenso geistlich-intuitiv Wege zu finden, einen konstruktiven Meinungsbildungsprozess anzustoßen, der zu gemeinsam verantworteten Handlungs-Schritten führt. Dies ist aber nur möglich in einer Haltung des Gebets, um sich mit und ohne Worte in reger Zwiesprache und ununterbrochener Rückkopplung mit Gott zu bewegen.

Die beiden referierenden Glaubensgeschwister gaben den Konferenz-Teilnehmenden viel Zeit, um sich zunächst individuell, dann auf Gemeinde-Ebene und schließlich auch auf Kirchenbezirks-Ebene auf diesen Perspektivwechsel einzulassen und die Erfahrungen im vertraulichen Dialog mit KollegInnen, in Kleingruppen und im Plenum auszutauschen und erste neue Ideen und Programme für die regionale und thematische Zusammenarbeit im Kirchenbezirk zu entwickeln.

Konkrete Ergebnisse sind seitdem z.B. eine Social-Media-Gruppe „Bewahrung der Schöpfung“ sowie Regionen, die regelmäßigere rollierende Regio-Gottesdienste im Kirchenjahr verankern.  – Oder sie verstärken in allen Gemeinden einer Region Schwerpunkt-Gottesdienste mit unterschiedlichen Prägungen, zu denen immer Regio-weit eingeladen wird. Dies ist sowohl örtlich als auch regional ein ökumenisch-integrales Konzept. So muss keine Gemeinde alle möglichen Formate pflegen, sondern kann sich auf ihre Stärken konzentrieren und so unverwechselbar zur geistlichen und liturgischen Vielfalt in der Regio beitragen. Z.B.: Kunst, Taizé, Lobpreis, Gregorianik, Segnen und Salben, Kantate, Predigtslam, Brass, Geistliche Kirchenerschließung, Orgelkonzerte, Gottesdienste in Kitas, Stadien, Pflegeheimen, Festzelten, …

Starke Ortsgemeinden stärken sich so gegenseitig in der Region und entwickeln dadurch auch einen Sinn für die geistlich konstruktive Funktion des bislang eher nur als Verwaltungseinheit wahrgenommenen Kirchenbezirks.