Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 08. August 2020

Meine Augen sehen stets auf den HERRN; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.

Psalm 25,15

In Bindung an Gott werde ich zu einem freien Mensch.

Folgt man Ludwig Thomas Münchner im Himmel, sehen wir den Engel Aloisius nach himmlischer Hausordnung und festem Tagesplan frohlocken und Hosianna singen. Das ganze konnte nicht gutgehen, denn was folgte war eine unheilige Allianz aus „Ha-ha-lä-lä-lu-u-uh – – Himmi Herrgott – Erdäpfi – Saggerament – – lu – uuu – iah!“ Schlussendlich wurde der Münchner im Himmel wieder auf die Erde geschickt. Und wie zu erwarten, landete dieser im Hofbräuhaus.

Es ist manchmal schon eigenartig, welche Assoziationen beim Lesen der Tageslosung kommen. So war ich an diesem kleinen Wörtlein „stets“ hängengeblieben und habe mir dieses stete Sehen auf den Herrn so richtig bildlich vorgestellt und ahnte dabei, dass man davon sehr wohl und nachvollziehbar Augenflimmern bekommen kann. Hinzu kam die Frage, ob ich dann auch noch andere oder anderes sehe. Wenn ich nur mit Gott beschäftigt bin, kommt wo möglich nichts anderes mehr in mein Blickfeld. Und da gibt es doch noch so viel zu sehen und zu entdecken.

So bin ich gewiss auf der falschen Fährte, geht es doch nicht um ein Ausschalten von allem anderen, sondern vielmehr um ein Einschalten Gottes bei allem anderen. Es geht darum nichts ohne Orientierung an Gott zu tun oder zu lassen. Oder kürzer formuliert: Nichts geht ohne Gott!

Und die Begründung liegt in der Freiheit. Gott macht mich frei, damit ich allen Menschen frei begegnen und alle Dinge frei angehen kann. Es darf mich und ich brauche mich auch von nichts gefangen nehmen lassen. Die Bedrohung ist durch Gott weggenommen.

Selbst Verstrickungen können abfallen mit dem Blick auf Gott.

In Bindung an Gott werde ich zu einem freien Mensch. Für freiheitlich denkende Menschen mag diese Formulierung befremdlich sein, dass aus einer Bindung Freiheit erwachsen kann. Doch gerade aus Liebesbindungen heraus erleben wir eine noch nie dagewesene Freiheit und schöpferische Kraft, die sich bindungs- oder beziehungslos so nicht entfalten kann.

In diesem Sinne kann ich dann auch stets auf den Herrn schauen, ohne unter Augenflimmern leiden zu müssen.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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