Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 03. August 2020

Den Demütigen wird der HERR Gnade geben.

Sprüche 3,34

Vielleicht sollten wir es wieder neu entdecken!

Stellen Sie sich vor, jemand würde zu Ihnen sagen, dass Sie wahrlich demütig sind. Wäre das ein Kompliment für Sie oder eher nicht? Vielleicht würden Sie sich fragen, was denn ein solches Kompliment, wenn es denn ein solches sein soll, bedeuten kann.

Demut erscheint in modernen Zeiten nicht eine sehr erstrebenswerte Gabe oder Kompetenz zu sein. Demut wird leicht mit Unscheinbarkeit, Unterwürfigkeit und Schwäche assoziiert. Und wer will schon unscheinbar oder unterwürfig sein.

Dabei hat es das deutsche Wort Demut in sich, handelt es sich doch um eine Wortkombination aus Dienst und Mut. Es geht um den Mut, einem anderen oder einer Sache dienen zu können. So verstanden würde jedem Minister, was auf Deutsch Diener heißt, Demut gut anstehen.

Selbst in der modernen Führungsforschung begegnet uns indirekt die Demut, wenn inspiriert von Hermann Hesses Erzählung „Die Morgenlandschaft“ von „servant leadership“ die Rede ist, von der „Führung durch einen Diener“. Das sind Führungspersönlichkeiten, die die Fähigkeit haben, die Kompetenzen anderer zu entdecken und zu entwickeln. Die darin groß sind, dass andere ihre Gaben entdecken und einsetzen können. Sie selbst müssen nicht groß rauskommen. Da ist Demut gefragt. Viele erfolgreiche Betriebe leben von solchen dienenden Führungspersönlichkeiten.

Damit wird auch das klassische Verständnis von Führungsrollen, die sich an dem einen großen Mann oder an der einen großen Frau festmachen, kritisch hinterfragt. Es mag durchaus visionäre Menschen geben, die vorangehen. Es mag jedoch auch jene geben, die ihre Führungsqualitäten darin sehen, andere zu ermutigen und zu befähigen, ihre Gaben und Kompetenzen passend einzusetzen.

So wage ich zu behaupten, dass die Gabe der Demut uns durchaus begegnet, dass wir sie selbst hoffentlich praktizieren, auch wenn uns das Wort als solches fremd geworden ist.

Vielleicht sollten wir es wieder neu entdecken!

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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