Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 23. August 2020

Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsre Zuversicht.

Psalm 62,9

Wir können kaum abschätzen, wie es zukünftig weitergehen wird.

Wir dachten, dass unser Leben sicher sei. Jedenfalls haben wir das geglaubt. An so manche Gefahr im Straßenverkehr oder an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, hatten wir uns irgendwie gewöhnt, zumal wir dachten, dass dies stets die anderen trifft.

Wir dachten, dass wir das Leben und die Welt unter Kontrolle haben. Mit diesem unsichtbaren Virus hat sich das komplett geändert. Unser Leben erscheint plötzlich wieder bedrohter und fragiler. Wir versuchen seit Wochen, die Kontrolle wieder zu erlangen und scheitern.

Wir bewegen uns weiterhin auf unsicherem Terrain, wissen nicht, wie sich alles weiterentwickelt. Es ist und bleibt ein vorsichtiges Herantasten manchmal mit höchst ungewissem Ergebnis. Die Gefahr ist weder gebannt noch vorbei. Manche sprechen gar davon, dass wir lernen müssen, damit leben zu können. Es wird uns noch eine längere Weile begleiten.

Das Leben zeigt sich deutlicher von seiner unverfügbaren und bedrohten Seite. Wir haben es doch nicht unter Kontrolle. Vielleicht ist das ja eine Erkenntnis aus der Bedrohung, die wir aufnehmen sollten. Denn das Leben bleibt letztlich unserer Kontrolle entzogen. Unverfügbarkeit sollten wir wieder in unseren Wortschatz aufnehmen.

Nicht dass wir unsere Bemühungen aussetzen sollten, Krankheiten oder andere Gefahren begrenzen zu wollen. Und doch entziehen sich viele Bereiche unseres Lebens unserer Verfügbarkeit und Kontrolle – besonders, wenn es um Beziehungen geht.

Auch Gott bleibt uns letztlich unverfügbar. Und doch lädt er uns ein, unser Vertrauen auf ihn zu setzen. Es ist eben ein Beziehungsgeschehen und eine Herzenssache. Und von solchen Beziehungen und Herzenssachen leben wir, da sie durch Liebe geprägt und darum umso mehr „außer Kontrolle“ sind.

Wenn wir das wieder mehr lernen, haben wir gewiss in und aus diesen schwierigen Zeiten keinen falschen Lernerfolg gezogen.

In diesen Zeiten und darüber hinaus will ich mein Herz Gott ausschütten, will auf ihn hoffen und meine Zuversicht in Gott setzen.

In diesem Sinne: Bleiben Sie von Gott behütet!

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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