Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 22. August 2020

Der König antwortete Daniel und sprach: Wahrhaftig, euer Gott ist ein Gott über alle Götter und ein Herr über alle Könige.

Daniel 2,47

Wo es keine Verantwortung mehr gibt, gibt es auch keine Grenzen mehr.

Nebukadnezar war ein König, den man mit Fug und Recht als Tyrannen oder Despoten bezeichnen kann. Er war ein Alleinherrscher im vollen Sinne des Wortes. Was er sagte, das galt. Da gab es keine Gewaltentrennung moderner demokratischer Staaten. Legislative, Judikative und Exekutive waren in einer Hand, in seiner Hand. Eines der sieben antiken Weltwunder, die Hängenden Gärten der Semiramis zu Babylon, sollen in seiner Regierungszeit entstanden sein. Mit siegreichen Kriegen und Eroberungen konnte er seine Regentschaft ausbauen und stärken.

Ein solcher Tyrann hat die uneingeschränkte Macht, muss sich vor niemandem rechtfertigen. Umso mehr muss es überraschen, wenn dieser Despot nun als „Herr über alle Könige“ anerkennt. Das heißt doch auch, dass dieser bislang grenzenlos herrschende König anerkennt, dass mit Gott doch jemand über alle Herrschenden dieser Welt steht und damit auch über ihm.

An dieser fehlenden Erkenntnis sind schon viele Tyrannen in den großen oder kleinen Bereichen dieser Welt gescheitert und übten Macht missbräuchlich aus. Wo es keine Verantwortung mehr gibt, gibt es auch keine Grenzen mehr.

Doch wo ich mich verantworten muss, bekommt mein Handeln eine besondere Achtung. Ich achte darauf, dass es im Einklang zu meiner Verantwortung steht.

Ich bin Gott verantwortlich und weiß nur zu gut, dass ich angesichts seiner Gerechtigkeit bei Weitem nicht alles verantworten kann, was ich tue oder auch nicht tue. So will ich darauf hoffen, dass ich mein Tun und Lassen an Gottes Wille orientiere, und daran glauben, dass sein Vergeben angesichts meiner Grenzen und Schuld weiterhin mein Leben bestimmen kann.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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