Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 21. August 2020

Du hast dich müde gemacht mit der Menge deiner Pläne.

Jesaja 47,13

Das wünsche ich uns!

Auf einem Passagierschiff macht der Kapitän eine wichtige Durchsage: „Liebe Passagiere, ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute lautet: Wir fahren volle Kraft voraus! Die schlechte lautet: Wir haben den Kurs verloren!“
Voll Kraft voraus, aber orientierungslos. So lässt sich die Situation jener Politiker und geistlichen Führungspersonen beschreiben, zu denen der Prophet Jesaja spricht. Sie haben sich verrannt, rennen in die falsche Richtung und das mit einem besonderen Aktionismus.
Wir können uns auch verrennen, in Sackgassen landen, auf Holzwegen gehen. Das passiert nicht nur einzelnen, das kann ganzen Gruppen und Nationen passieren. Ein Blick in die eigene Lebensgeschichte oder die deutsche Geschichte kann da ganz schön erhellend und ernüchternd sein.
Und wenn ich mich verrenne, wünsche ich mir so jemand, der mich weise und mit Liebe darauf verweist. „Du hast dich müde gemacht“, klingt sorgend und fürsorgend. Damit verbunden ist auch die Hoffnung verbunden, von den falschen Plänen zu lassen. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Manchmal ist man so in die eigenen Entscheidungen und Pläne – und seien sie noch so falsch – regelrecht vernarrt.
Falsche Pläne einzugestehen und davon zu lassen, ist eine besondere Kunst, die sich selten von selbst einstellt und sehr selten leicht ist. Denn damit ist die Selbsterkenntnis verbunden, sich auf dem falschen Weg befunden zu haben, und wer will das schon gern von sich sagen. Wer will schon selbst vom hohen Ross fallen, auf dem ja bekanntlich nur die anderen sitzen.
Doch manchmal wächst gerade aus der eigenen Müdigkeit und Kraftlosigkeit neuer Mut und neue Kraft.
Das wünsche ich uns!

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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