Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 20. August 2020

Mose sprach zu dem HERRN: Sieh doch, dass dies Volk dein Volk ist.

2.Mose 33,13

Das ist Liebe!

Die Sprüche bringen es in aller Kürze auf den Punkt. Mit der Benennung von Gegensätzen wird es benannt. Und letztlich geht es um die Frage, was zum Leben dient und was eben nicht. In aller Kürze gesagt: Hass entzweit und Liebe verbindet!

Dabei geht es hier gar nicht um einen faktischen Dualismus, sondern um ein klares Gefälle (oder sollte ich Steigerung schreiben?) in Richtung Liebe. So heißt es an anderer Stelle: „Besser ein veganes Gericht und Liebe ist da, als ein gemästeter Ochse und Hass dabei.“ (Sprüche 15,17; bei Luther heißt es „Gericht Kraut“; beim Heidelberger Alttestamentler Manfred Oeming fand ich „veganes Gericht“).

Doch was heißt hier, dass die Liebe alle Übertretungen zudeckt? Kann es Liebe überhaupt wollen oder verantworten, was falsch und schräg läuft, zuzudecken? Teppich drüber und gut ist?

Im Hohelied der Liebe bei Paulus klingt es noch umfänglicher: „sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“ (1.Kor 13,7). Und ich frage mich manchmal bei Trauungen, ob die Anwesenden ermessen können, was hier gelesen wird.

Doch was heißt nun, dass die Liebe alles zudeckt? Ich muss doch wohl festhalten, dass die Liebe den Hass nicht zudeckt, sondern als Leben und Gemeinschaft zerstörend aufdeckt. Selbst bei Paulus freut sich die allumfassende Liebe, die ansonsten alles duldet, nicht über die Ungerechtigkeit. So im Hohelied der Liebe nachzulesen.

Liebe deckt daher alle Übertretungen zu, indem diese ihre zerstörerische Macht nicht ausüben können. Dazu gehört dann auch die Vergebung, die Schuld nicht schön redet oder gut heißt, die vielmehr Schuld ernstnimmt und doch dem Leben eine neue Chance gibt. Das ist Liebe!

Der Schriftsteller Manfred Hausmann hat schon recht, wenn einer seiner Romane den Titel trägt: Liebende leben von der Vergebung (1958 im Fischer-Verlag erschienen und mehrfach neu aufgelegt). Zur Liebe gehört auch die Vergebung. Denn der andere ist nicht nur Lust, er ist auch Last – mal mehr und mal weniger.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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