Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 19. August 2020

Mose sprach zu dem HERRN: Sieh doch, dass dies Volk dein Volk ist.

2.Mose 33,13

Es handelt sich um Gottes Volk und nicht um mein eigenes.

Als junger Pfarrer in Rußheim fuhren wir öfters auf der B36 nach Karlsruhe. Und stets als wir Linkenheim mit der deutlich sichtbaren evangelischen Kirche passierten, meinte unsere Jüngste: „Papa, Deine Kirche!“ Das stimmte gewiss nicht, aber aus der Ferne sah die Linkenheimer Kirche so aus wie die Rußheimer.

Doch auch aus einem anderen Grund kann gefragt werden, ob es denn des Pfarrers Kirche ist. Gehört die Gemeinde dem Pfarrer, der Pfarrerin? Oder umgekehrt gefragt, gehört die Pfarrerin, der Pfarrer der Gemeinde? Manchmal könnte man meinen, dass an beidem etwas dran ist.

Das Volk Israel war auf alle Fälle Gottes Volk. Das nimmt Mose hier auf, auch wenn er es sich bei aller seiner eigenen Mühe um das Volk stets selbst sagen musste.

Es handelt sich um Gottes Volk und nicht um mein eigenes. Wer so redet, wird befreit vor einer falschen Last der Verantwortung oder gar falschen Besitzansprüchen. Dazu hat schon Martin Luther eindeutiges gesagt: „Wir sind es doch nicht, die da die Kirche erhalten könnten. Unsere Vorfahren sind es auch nicht gewesen. Unsere Nachfahren werden’s auch nicht sein; sondern der ist’s gewesen, ist’s noch und wird’s sein, der da sagt: ‚Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.‘“

Damit ist dann auch ein Freiraum geschaffen, indem man sich gut und gern engagieren kann. Ich bin Teil der Kirche Gottes und finde hier Raum zum Leben und Handeln.

Dabei ist es gewiss kein Fehler, wenn dazu gehört, für eben diese Kirche zu beten. Das umschließt dann hoffentlich auch die eigene Gemeinde.

So ist auch bei Jesus die erste Antwort auf die Erkenntnis einer großen Ernte und zu wenigen Mitarbeitenden die Bitte an Gott, mehr Arbeiter in seine Ernte zu senden.

Dass Kirche immer kleiner wird und auch die in ihr Tätigen, ist kein Geheimnis. Vielleicht sollten wir umso mehr Gott in den Ohren liegen, da es sich ja um seine Kirche handelt.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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