Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 17. August 2020

Sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk.

Apostelgeschichte 2,46-47

Gemeinde: ein Ort des Gotteslobes und ein Quellgrund für Sozialkompetenz

1985 war ich mit einem russlandsdeutschen Freund für drei Wochen in Russland unterwegs. Wir besuchten evangelische Gemeinden. Dabei war ich stets von deren Gastfreundschaft überrascht. Gottesdienste waren für sie stets mit einem großen Essen verbunden, zu dem jeder was beitrug. Wenn man so will, ging der Glaube hier auch durch den Magen.

Dass diese evangelischen Christen auch einen guten Ruf in der Gesellschaft hatten, zeigte sich, als wir auf unserer Reise zufällig mit dem Direktor eines großen Industriekombinats und hoch dekoriertem Parteimitglied ins Gespräch kamen. Er lobte die Christen in seinem Betrieb. Diese seien ehrlich, zuverlässig und vor allem nie betrunken. Selbst eigenen Parteigenossen würde er in der Regel nicht über den Weg trauen.

Die christliche Gemeinde, so entnehme ich es der Apostelgeschichte und dieser russischen Erfahrung, ist ein Ort des Gotteslobes und ein Quellgrund für Sozialkompetenz, die sich nicht nur auf die Grenzen der eigenen Gemeinde bezieht.

Weiterhin will ich an dem Fokus auf die Versammlung der Gläubigen an einem Ort festhalten. Das ist wesentliches Merkmal christlicher Gemeinde, dass die Christenmenschen zum Gottesdienst zusammenkommen.

Nun weiß ich, dass nur von der Gemeinde in Jerusalem berichtet wird, dass sie täglich zusammenkamen. Gemeinden an anderen Orten hatten einen wöchentlichen Rhythmus. Auch weiß ich, dass die einschlägigen Kommentare zur Apostelgeschichte von einem idealtypischen Bild sprechen.

Und wenn es wahrlich ein idealtypisches Bild von christlicher Gemeinde ist, was hier gezeichnet wird, bedeutet dies dann, dass wir darauf verzichten können? Oder heißt es, dass wir es als Orientierungspunkt aufnehmen? Sie ahnen schon meine Antwort auf die Fragen.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

Archiv – Gedanken zur Tageslosung