Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 16. August 2020

Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.

Hebräer 13,3

Neue Verhaftungswelle gegen Christen im Iran (www.opendoors.de)

Beamte durchsuchten die Wohnungen der Inhaftierten in Teheran und dem nahegelegenen Karadsch nach christlicher Literatur und anderem Material. Dabei wurden laut Augenzeugen auch einige ihrer nichtchristlichen Verwandten von den Agenten geschlagen. Andere Anwesende, darunter erst kürzlich zum christlichen Glauben Konvertierte, wurden aufgefordert, Kontaktinformationen anzugeben, ihre Telefone auszuhändigen und sich zur Befragung bereitzuhalten. Vier weitere Christen, deren Namen ebenfalls auf dem Haftbefehl gestanden hatten, wurden später in ihren jeweiligen Häusern verhaftet. Zwei von ihnen tragen den Namen Farhad, außerdem wurden ein dritter Mann namens Arash festgenommen sowie die 46-jährige Malihe Nazari, eine verheiratete Frau aus Teheran. Am folgenden Morgen, dem 1. Juli, wurden in der Stadt Malayer, 400 km südwestlich von Teheran, drei weitere Christen (Sohrab, Ebrahim und Yasser) in ihren Häusern verhaftet. Nach Zahlung einer Kaution kamen sie am nächsten Tag wieder frei.

Bereits am 21. Juni wurden sieben christliche Konvertiten „staatsfeindlicher Propaganda“ für schuldig befunden. Das Gericht in Buschehr, einer Stadt im Südwesten Irans, wertete den Besitz christlicher Literatur als Beweis dafür, dass die Beklagten aktiv an der Verbreitung des Evangeliums gearbeitet hätten. Die sieben Christen, darunter drei Ehepaare, waren am 1. Juli 2019 verhaftet und zwischenzeitlich auf Kaution freigelassen worden. Nach dem Urteil drohen ihnen nun Konsequenzen, die von Arbeitseinschränkungen und Geldstrafen bis hin zu Gefängnis und Verbannung reichen. Mansour Borji, Sprecher von Article 18, kommentierte: „Diese Menschen wegen des Besitzes von Bibeln und christlichen Symbolen mit Haftstrafen zu belegen, ist ein klarer Beweis dafür, dass der iranische Außenminister und andere nicht die Wahrheit sagen, wenn sie behaupten, dass niemand in Iran nur wegen seines Glaubens ins Gefängnis gesteckt wird. Diese Menschen haben nichts getan, was als ‚staatsfeindliche Propaganda‘ oder ‚Handeln gegen die nationale Sicherheit‘ ausgelegt werden könnte, trotzdem wurden sie so ungerecht behandelt.“

Im Mai verabschiedete das iranische Parlament Änderungen der Artikel 499 und 500 des Strafgesetzbuches. Sie sehen vor, dass „[von gängigen Normen] abweichende psychologische Manipulation“ oder „islamwidrige Propaganda“, ob im „realen oder virtuellen Bereich“ mit Gefängnis, Auspeitschung, Geldstrafen oder sogar mit der Todesstrafe geahndet werden können.

Auf dem Weltverfolgungsindex 2020 steht Iran an 9. Stelle unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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