Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 13. August 2020

Durch seine Wunden sind wir geheilt.

Jesaja 53,5

Gottes Sohn steigt in unsere Gottlosigkeit hinab!

Auf den ersten Blick wirkt es höchst befremdlich, dass ich durch die Wunden eines anderen geheilt werden soll. Warum muss Christus leiden und sterben, damit ich gerettet werde? Ein solcher Gedanke passt doch gar nicht in die Zeit. Den Besucherströmen im Kirchenjahr folgend sollten wir das Kreuz durch die Krippe ersetzen, denn an Heiligabend sind die Kirchen voll an Karfreitag weniger. Wie kann ein Kreuz für Leben stehen? Da passt doch die Krippe viel besser.

Ich wage einen weiteren Blick und stelle fest, dass selbst in zwischenmenschlichen Beziehungen der Gedanke vorkommt und auch praktiziert wird. Da leidet Mutter und Vater am Bett des kranken Kindes und wünschen sich, dass sie krank seien und nicht ihr leidendes Kind. Da spendet die Schwester eine Niere für den leidenden Bruder. Da rettet ein aufmerksamer Bahnfahrer das ins Gleisbett gestürzte Kleinkind und wird selbst vom Zug erfasst. Feuerwehr, Polizei, Bergwacht, DLRG retten unter Einsatz des eigenen Lebens in Not geratene Menschen.

Wie ein roter Faden zieht sich durch die Bibel die Erkenntnis der großen menschlichen Krankheit, Sünde genannt – oder anders ausgedrückt, es geht um die menschliche Meinung, ohne Gott leben zu können.

Ebenso zieht sich ein anderer roter Faden durch die Bibel: Gottes große Rettungsaktion, die schließlich in seinem Sohn Jesus Christus ihren Höhe- und Mittelpunkt erreicht.

Die Krankheit nimmt Christus, damit wir von dieser befreit werden. So ernst nimmt Gott die Menschwerdung, dass Gottes Sohn selbst in unsere Gottlosigkeit hinabsteigt, damit wir Gott nahe kommen können.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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