Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 10. August 2020

Gideon sprach: Ich will nicht Herrscher über euch sein, sondern der HERR soll Herrscher über euch sein.
Richter 8,23

Letztens habe ich folgenden Witz gehört: George Bush, Barack Obama und Donald Trump kommen in den Himmel und stehen vor Gott. Und Gott fragt Bush, ob er rechts oder links von Gott sitzen will. Bush will rechts sitzen. Obama will links sitzen. Als Gott Trump fragt, wo er sitzen wolle, antwortet dieser: Du sitzt auf meinem Platz!

Die besondere Demut und Weisheit eines Menschen, der alles erreicht hat, der Macht über andere hat, ist, wenn er eine Macht über sich anerkennt, vor der er sich mit allen anderen verantworten muss.
Gideon hatte alles erreicht. Er war zum mächtigsten Mann in Israel geworden. Doch widerstand er der Versuchung, sich zum Tyrannen und Despoten zu machen. Diese Versuchung besteht nicht nur bei großen und mächtigen Menschen. Auch in kleinen Bereichen können wir Macht ausüben.

Dabei ist Macht an sich nicht unbedingt schlecht, bedeutet doch Macht, dass ich die Fähigkeit und Möglichkeit habe, Dinge voranzubringen oder durchzusetzen. Ich kann mir keine Bundeskanzlerin ohne Macht vorstellen. Selbst ein Lehrer ohne Macht, wäre für mich ohnmächtig.

Die Frage lautet viel mehr, wie diese Macht eingesetzt wird. Dabei will ich gar nicht nach oben oder auf andere schauen. Machtspiele gibt es auch in den kleinen menschlichen Beziehungen. Auch da treffe ich auf Tyrannen und Despoten. Und vielleicht bringe ich davon ja selbst was mit.

Es gehört viel Weisheit und Demut dazu, wenn ich anerkenne, dass ich mich mit allen anderen vor Gott verantworten muss, da nur Gott allein über allem und über allen steht.

In der Diskussion über das Leiten und Führen wird von einer Triangulation gesprochen. An allen Orten unseres Lebens gibt es Menschen, die andere leiten und führen, die die Richtung vorgeben oder einfach Anweisungen geben dürfen. Das gilt für die Arbeit, die Familie, das gilt für die Kirche und Gemeinde. Nicht ohne Grund sprechen wir von einem Ältestenkreis als dem Leitungsgremium der Gemeinde.

Triangulation heißt hier, dass die Leitenden in Wirtschaft, Gesellschaft, Familie und Kirche sich bewusst sind, dass sie gemeinsam mit allen anderen unter der Leitung Gottes stehen. „Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als von dir allein kann ich recht bewahrte sein.“ (EG 445,5)

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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