Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 8. Juli 2020

Viele, die Jesus zuhörten, verwunderten sich und sprachen: Woher hat er dies? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Und solche Taten geschehen durch seine Hände?
Markus 6,2

Jesu Weisheit ist eine andere, eine göttliche.

Es gibt Worte, die verpuffen. Sie mögen durchaus richtig sein, aber sie sprechen nicht an. Sie erreichen mich nicht. Ich mag ihnen vielleicht ganz allgemein zustimmen, denn sie sind ja nicht falsch, aber ich nehme sie nicht mit, sie gingen mir einfach nicht zu Herzen. Solche Worte haben kein Echo hervorgebracht, sie fallen nicht tief, sie fallen durch. Sie beeindrucken mich nicht.
Jesus verstand die Kunst der An-Sprache. Seine Worte sprechen an, fallen tief, hallen nach, bewegen Herzen. Seine Weisheit ist eine andere, eine göttliche.
Manchmal wünschte ich mir, dass meine Worte eine solche Wirkung haben. Doch dann zögere ich. Denn es geht nicht um meine Worte, es geht um Jesu Worte. Nicht ich selbst soll beeindrucken, sondern es dem Täufer in der Kreuzigungsdarstellung des Isenheimer Altars gleichmachen. Der Künstler Matthias Grünewald hat es geschickt in Szene gesetzt. Da steht Johannes der Täufer neben dem Kreuz, der Betrachter folgt seinem Zeigefinger und landet beim Kreuz.
Vielleicht darf ich dann der Esel sein, auf dem Jesus zu den Menschen kommt. Doch auch da zögere ich und frage mich, ob ich nicht eher dem Bileam ähnle, der Gottes Wort nicht verstand und sich störrisch zeigte, während seine Eselin Gottes Wort verkündete.
Doch wünschen darf ich es, dass Menschen Jesu Worte folgen und sich über diese verwundern, weil diese Worte auf Resonanz stoßen oder einfach eine Resonanz erzeugen. Da bringt Jesus etwas in uns ins Schwingen.
Da darf man sich auch verwundern.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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