Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 6. Juli 2020

So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein.
Psalm 103,12

„Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger geworden.“

Die Rede von der Sünde oder den Übertretungen will in modernen Zeiten schwerlich gelingen. Sünder oder die Sünde haben wir abgeschafft, da wir ja allzumal alle redliche Menschen sind. Umso irritierender muss dann sein, dass sich das Thema der Sünde wie ein roter Faden durch die Bibel zieht. Kein Thema erscheint so wichtig, wie die Sünde bzw. deren Überwindung.
Wer vom Menschen redet, so der Tenor der Bibel, redet von seiner Sünde. Man könnte beinahe sagen, dass die Menschlichkeit des Menschen mit seiner Sünde benannt ist. Das verbindet uns egal, woher wir kommen oder wer wir sind, allzumal Sünder.
So beschäftigt uns in jedem Gottesdienst die Sünde. Allerdings ist damit nicht die einzelne schlimme Tat gemeint, sondern die menschliche Grundmeinung, das Leben auch ohne Gott meistern zu können. Gleich zu Beginn eines jeden Gottesdienstes benennen wir das.
Mit einem schönen Bild nimmt die heutige Losung das auf: „So fern der Morgen vom Abend, der Osten vom Westen, links von rechts“. So bekommt der rote Faden der Sünde einen steten Begleiter, das befreiende Handeln Gottes.
Denn „Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger geworden.“ (Römer 5,20)
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan