Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 28. Juli 2020

Bis hierher hat uns der HERR geholfen.

1.Samuel 7,12

…, ob in Dur oder moll.

Dieser knappe Satz sagt vieles nicht. Er erzählt nicht von den vielen Begegnungen und Ereignissen, von den guten und den schlechten Erinnerungen, von Gelungenem oder Misslungenem. Er sagt auch nicht, ob die Vergangenheit leicht oder schwer, hell oder dunkel war.
Wo möglich war von allem etwas dabei. Von manchem lässt sich mit freudiger Stimme erzählen. Andere Erzählungen gelingen nur mit schwerem Herzen. Manchmal ist es einfach gut gelaufen. Doch anderes wollte nicht gelingen. Wie eben das Leben so spielt, ob in Dur oder moll.
Wie ein roter Faden zieht sich durch alle Geschichten die rückblickende Erkenntnis, dass bisher Gott geholfen hat.
Ob das zu jedem Zeitpunkt und zu allen Zeiten des Lebens gesagt werden kann? Ich befürchte, dass es auch Zeiten gibt, in denen mir diese Erkenntnis fremd blieb, wie jenem älteren frommen Mann aus der Gemeinde, der nach dem Tod seiner Frau zwei Jahre lang, so sagte er mir stets, beim Vaterunser das „Dein Wille geschehe“ auslassen musste. Er konnte es einfach nicht sprechen, so sehr er doch an Gott glaubte und ihm vertraute. Der Schmerz und der Kummer waren größer. Nach zwei Jahren meinte er, dass es nun wieder ginge. Manchmal müssen Sätze reifen.
Ich wünsche mir, dass die Erkenntnis „Bis hierher hat uns der HERR geholfen“ stets neu reifen darf. Manchmal werde ich es mit freudig bebenden Lippen sagen. Manchmal werde ich mir wünschen, dass ich es könnte. Und stets will ich hoffe, dass sich im Rückblick diese Erkenntnis stets neu bilden darf.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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