Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 27. Juli 2020

Der HERR gibt Weisheit, und aus seinem Munde kommt Erkenntnis und Einsicht.

Sprüche 2,6

Der Himmel öffnet sich!

Am Samstag habe ich mir mal wieder das Wort zum Sonntag angeschaut und war hinterher eher ratlos. Der Kollege aus Hildesheim nahm die Coronapandemie zum Anlass mehr Solidarität und Änderungswillen anzumahnen. Partys ohne Abstand sind unsolidarisch und Mund-Nasen-Bedeckung ist solidarisch. Und solidarisches Handeln sei christliches Handeln. Dabei hätten schon die Propheten des Alten Testaments mit drastischen Bildern solidarisches Handeln eingeklagt. Gewiss seien Änderungsnotwendigkeit im eigenen Leben nicht einfach umzusetzen, aber umso mehr angesagt und bedeutungsvoll.
Ich will ihm gar nicht widersprechen. Die Pandemie verlangt von uns viel ab. Daran besteht kein Zweifel. Selbst an der Änderungsnotwendigkeit in unserem Handeln und Leben will ich gar nicht zweifeln. Und doch hat mich das Wort zum Sonntag angesichts so vieler Richtigkeiten und Apelle zu Veränderungen ratlos zurückgelassen. Ich habe mich irgendwie allein gelassen gefühlt
Da will ich es kaum glauben, dass ausgerechnet ein Vers aus dem Buch der Sprüche mit seinem manchmal pessimistischen wie eine frohe Botschaft, wie das pure Evangelium daherkommt. Denn hier begegnet mir Gott, der bei allen menschlichen Herausforderungen und begrenzten Einsichten die nötige Weisheit sowie Erkenntnis und Einsicht gibt.
Ich darf angesichts der vielen auch widersprüchlichen Stimmen gerade in schwierigen Zeiten auf Gottes Weisheit hoffen. Das entledigt mich nicht davor, eigene verantwortliche Entscheidungen zu treffen und solidarisch zu handeln. Es holt mich jedoch aus dem eigenen Unvermögen heraus, alles selbst machen zu wollen und es oftmals nicht zu können.
Hatte mich das Wort zum Sonntag so beinahe erbarmungslos auf mich selbst geworfen, öffnet die Losung den Himmel und gibt mir Anteil an die Möglichkeiten Gottes. Rein weltlich gesprochen könnte ich sagen, dass mir hier zur Änderungsnotwendigkeit auch die nötige Motivation und Kraft gegeben wird.
Aus dem Glauben heraus kann ich glauben, dass über alles eigenes Wollen und doch Unvermögen hinaus, Gott die nötige Einsicht und das Vollbringen schenkt. Dann wäre auch das Wort zum Sonntag ein echtes sonntägliches Wort gewesen.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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