Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 24. Juli 2020

Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab!

Jesaja 63,19

Spontan ist mir der Spruch „O Herr, schmeiß Hirn herab!“ eingefallen. Dieser Spruch geht von einer notvollen Situation angesichts von unverständigem Handeln aus und ist in aller Regel despektierlich gemeint.
An die Not- und Leidenssituation der Losung kommt der Spruch bei weitem nicht heran, handelt es sich doch um ein aus der Not heraus geborenes Stoßgebet, dem das anfängliche Ach noch eine zusätzliche Bedeutungsschwere gibt.
Denn Ach ist oftmals ein Seufzer, Ausdruck von Schmerz. Weh und Ach plagen den Beter.
Da will man gleich das bekannte Adventslied „O Heiland, reiß die Himmel auf“ (EG 7; GL 231) singen. 1622 schrieb es der Jesuit Friedrich Spee als Adventslied und wohl auch als Protestlied gegen die Hinrichtung von mehreren hundert Frauen, vom Mainzer Erzbischof als Hexen verhöhnt. Im Lied kommen gegenwärtige Not und Hoffnung auf Erlösung zusammen.
O Heiland, reiß die Himmel auf,
herab, herab vom Himmel lauf,
reiß ab vom Himmel Tor und Tür,
reiß ab, wo Schloss und Riegel für.

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
darauf sie all ihr Hoffnung stellt?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
komm, tröst uns hier im Jammertal.
Auch wenn wir noch auf die Vollendung am Ende der Zeiten warten, können wir schon jetzt davon leben und erzählen, dass Gott in Jesus Christus vom Himmel zu uns auf die Erde herabgestiegen ist. Gott hat beschlossen, dass er dies nochmals tun will, ob alles zum Guten abzuschließen.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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