Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 20. Juli 2020

Hört mir zu, ihr trotzigen Herzen, die ihr ferne seid von der Gerechtigkeit! Ich habe meine
Gerechtigkeit nahe gebracht; sie ist nicht ferne.
Jesaja 46,12-13

Nicht nur die Trostworte konsumieren!

Nicht jede Losung eignet sich zum Geburtsspruch oder für ein Bild an der Wand. Die heutige geht
nicht runter wie Öl, die tut nicht einfach gut. Sie legt sich vielmehr quer, verstört, rüttelt auf. Sie
kommt zu unangenehmen Feststellungen.

Und wir ahnen es schon, dass es auch stimmt: Wir haben es nicht so mit der Gerechtigkeit! Jedenfalls
scheint die Welt nicht gerechter geworden zu sein, trotz aller Reden und Mühen.

So mancher gibt Gott die Schuld, sollte sie allerdings bei sich selbst und anderen suchen.
Ich will nicht sagen, dass das göttliche Projekt mit dem Menschen als verantwortlicher Verwalter des
Paradieses gescheitert ist. Doch jenseits von Eden zeigt sich der raue Wind menschlichen
Unvermögens und seines Unwillens, sich an Gott und seiner Gerechtigkeit zu orientieren.

Wir tun gut daran, uns auch den Gerichtsworten der Bibel zu stellen und nicht nur die Trostworte zu
konsumieren.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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