Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 18. Juli 2020

Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.
2.Korinther 5,10

„Der Bucklige sieht den Buckel der anderen, den eigenen nicht.“

Der erste dokumentierte Shitstorm erfolgte während der Reformationszeit, als Gesandte des Papstes mit Fäkalien beworfen wurden. Mittlerweile gehört dieser Anglizismus zur festen Praxis sozialer Medien, in denen eine besondere Entrüstungskultur gepflegt wird. In zunehmender Weise scheint die Anonymität des Internets eine Unart menschlicher Existenz zu begünstigen, über andere zu Gericht sitzen zu wollen.

Dabei wird leicht übersehen, was ein kroatisches Sprichwort auf den Punkt bringt: „Der Bucklige sieht den Buckel der anderen, den eigenen nicht.“ Mit den Worten Jesu sind uns Splitter und Balken bekannt.

Und der Apostel Paulus lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass wir alle mal vor dem Richterstuhl Christi stehen müssen. Diese Gleichheit aller Menschen vor dem göttlichen Richterstuhl macht uns hoffentlich vorsichtig, selbst über andere zu Gericht zu sitzen, macht uns sensibel, nicht voreilig den Shitstorm anzuzetteln oder ihm beizutreten. Denn wir sind alle Sünder, das ist wahr!

Damit werden Fehler oder Fehlleistungen, Sünde oder Schuld nicht bagatellisiert, nicht klein geredet. Und doch wird wohl der Stein, den wir schon auf den anderen werfen wollen, fallen gelassen, da er auch uns selbst treffen müsste.

Wir werden darauf aufmerksam gemacht, dass jeder von uns sich vor Gott verantworten muss. Da tut es gut, dass es Christus selbst ist, der hier richtet. In Christus begegnet uns ein Richter, der sein Leben für das unsere gab, auf dass seine Auferstehung bei uns zu neuem Leben führt.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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