Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 13. Juli 2020

Zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.
Epheser 4,24

„Ich darf so bleiben, wie ich bin“,

lautet ein bekannter Werbeslogan. Und ich frage mich, ob dieser Satz nur gilt, wenn ich vergleichbare Körpermaße habe, wie die dahinschwebende schlanke Gestalt im Fernsehen. Oder gilt der Satz auch, wenn ich sie nicht habe? Der Satz ist verführerisch und lockt. Er ruft eine spontane Zustimmung hervor. Endlich sich nicht ständig ändern zu müssen oder gar von anderen darauf angesprochen zu werden, dass man sich ändern müsse. Das hat was.

„Ich darf so bleiben, wie ich bin.“ Klasse!

Auf Dauer hat der Satz aber auch seine Schattenseiten. Wollte ich wirklich noch in der turbulenten Zwischenzeit der Pubertät unverändert stecken geblieben sein? Gewiss erinnere ich mich gern an die Anfangszeit unserer jungen Familie, als die Kinder noch klein waren. Doch will ich dahin wieder zurück? Was hätten die Kinder gesagt, wenn Wachstum und Veränderung in jeglicher Hinsicht ausgeschlossen worden wären? Ich hätte gewiss noch gern das Körpergewicht wie vor 20 Jahren.

Und doch will ich Veränderungen nicht ausschließen. Denn ich merke ja auch, dass ich mich in so manchem ändern muss, dass es gar nicht gut wäre, wenn ich so bleibe, wie ich bin. War nicht auch schon Bertolt Brechts Herr Keuner erbleicht, als man ihm sagte, dass er sich gar nicht verändert hatte?

Da will ich doch lieber in diesen neuen Mantel schlüpfen, den mir Gott hinreicht. Der göttliche Schneider hat diesen Maßanzug aus feinstem Webstoff gefertigt. Schuss und Kette sind Gerechtigkeit und Heiligkeit. Das sind feinste Garne, die im Sommer das Schwitzen verhindern und im Winter das Frieren.

Ich will es eben nicht jenem Staatsoberhaupt im Märchen von Des Kaisers neue Kleider gleichtun und plötzlich nackt dastehen. Vielmehr ziehe ich den neuen Menschen an, der von Gott gestaltet ist.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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