Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 11. Juli 2020

Sie sahen aber den Freimut des Petrus und Johannes und wunderten sich; denn sie merkten, dass sie ungelehrte und einfache Leute waren, und wussten auch von ihnen, dass sie mit Jesus gewesen waren.

Apostelgeschichte 4,13

Es kommt auf die vielen kleinen Ereignisse an!

John Bunyan (1628-1688) war Sohn eines Kesselflickers und selbst von Beruf Kesselflicker. Und doch schrieb er mit Pilgerreise zur seligen Ewigkeit ein Erbauungsbuch, das im Erscheinungsjahr 1678 zu einem der bekanntesten Bücher der Weltliteratur zählte, in über 200 Sprachen übersetzt wurde und bis heute ein Weltklassiker geblieben ist.

Der Weg geht nicht immer vom Kesselflicken auf die Bestsellerlisten von New York Times oder Spiegel. Und doch sind sich die Missions- und Kirchengeschichtler darin einig, dass das weltweit bemerkenswerte Wachstum der Kirche vor allem an den vielen unbekannten „kleinen Christenmenschen“ lag und liegt, die in ihren Familien, Nachbarschaften und anderen Kontexten ihren Glauben leben und bezeugen.

Könnte es sein, dass viel mehr Glauben auf dem Schoß von Großmüttern entstanden ist, indem biblische Geschichten erzählt und Gebete gesprochen wurden als auf allen Jugendevangelisationsveranstaltungen dieser Welt? Dies ließe sich fortsetzen mit Jungscharstunden, nachbarschaftlichen Gesprächen, zufälligen Begegnungen und vieles mehr.

Ich wäre falsch verstanden, wenn ich hier das eine gegen das andere ausspielen wollte. Vielmehr will ich auf die kleinen Ereignisse, Begegnungen und Christenmenschen verweisen. Durch sie lebt Glaube und Kirche. Sie sind nicht zu unterschätzen.

Dabei glaube ich nicht, dass Gott seine Strategie zwischen den Zeiten der Apostelgeschichte und heute geändert hat.

„Wenn es keine Menschen mehr gibt, die sagen, das ist unsere Kirche, wird sie auch das ganze Geld der Welt nicht retten“, hat der frühere Bischof der Kirchenprovinz Sachsen Axel Noack gesagt. Da ist was dran.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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