Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 10. Juli 2020

Die Gnade mehre sich durch die wachsende Zahl der Glaubenden, und so ströme der Dank reichlich zur Verherrlichung Gottes.

Was soll ich bloß mit diesem Spruch anfangen? Da soll sich Gottes Gnade mehren durch die wachsende Zahl der Glaubenden, doch wir erleben seit Jahren schrumpfende Kirchenmitgliederzahlen. Waren wir 2014 über den deutlichen Sprung der Austrittszahlen nach oben entsetzt und hofften auf Besserung, müssen wir nun mit Blick auf 2019 feststellen, dass es noch schlimmer kommen kann. Nüchtern halte ich fest, dass alle engagierten Versuche, diesen Schrumpfungsprozess aufzuhalten oder abzuflachen bislang eher gescheitert sind. Gewiss kann man sagen, dass es vielleicht noch schlimmer hätte kommen können, wenn nichts unternommen worden wäre. Das mag stimmen, ändert gleichsam nichts daran, dass seit 40 Jahren die Mitgliederzahlen deutlich sinken und mit Blick auf die Zukunft es weiterhin tun werden.
Sind wir in Ungnade gefallen? Ist der Platzregen des Evangeliums, wie es Martin Luther bildhaft nannte, weitergezogen? Denn weltweit steigt die Zahl der Christenmenschen, nur in der westlichen Welt zeigt sich ein anderes Bild?
Verzagen will ich dennoch nicht. Aus der Missionsgeschichte lerne ich, dass sich in der Kirchen- und Missionsgeschichte Wachsen und Schrumpfen abwechseln. Bereits in der Apostelgeschichte erleben wir einen Wandel der christlichen Zentren von Jerusalem nach Antiochia und später nach Rom.
Das gibt mir Hoffnung für die Zukunft. Das lässt mich nicht verzagt die Hände in den Schoß sinken. Vielmehr bekenne ich zuversichtlich meinen Glauben und tue meinen Dienst in der Kirche. Dabei weiß ich auch, dass die Kirche nicht mit meinem Tun oder Lassen steht oder fällt, sondern mit Gottes Gnade bestehen bleibt. Mit Letzterem meine ich nun nicht, dass sie niemals ihre Kirchengestalt verändern oder gar verlieren wird. Das mag und kann durchaus geschehen.
Und doch wird es auch in Zukunft Menschen geben, die aus Vertrauen zu Gott heraus leben und die Gemeinschaft mit anderen suchen. Daran habe ich keine Zweifel. Und vielleicht wird man dann erneut und wiederum Gottes Gnade auch am Wachsen festmachen können.
Bis es soweit ist, halte ich mich an die Gnade Gottes, die auch jenseits von Zahlen gilt. Gott sei Dank!

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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