Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 9. Juni 2020

Du sollst nicht stehlen.
2.Mose 20,15

Das Evangelium hat die Macht aus menschlichen Untiefen zu retten und zu befreien.

Aufforderung, das Gute zu tun!

Dazu fällt mir ein, was Martin Luther im Kleinen Katechismus festgehalten hat. Kurz und prägnant führt er aus, was mit dem siebten Gebot gemeint ist:

Was ist das? Antwort: Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsers Nächsten Geld oder Gut nicht nehmen noch mit falscher Ware oder Handel an uns bringen, sondern ihm sein Gut und Nahrung helfen bessern und behüten.

Luther lenkt mein Augenmerk zunächst auf Gott selbst und führt mich zurück zum ersten Gebot, von dem sich alle anderen Gebote ableiten. Weil ich in einer Beziehung zu Gott stehe, werde ich nicht zum Dieb.

Dabei geht Luther über das direkte Stehlen hinaus und weitet es auf die ökonomischen Beziehungen aus. Sittenwidriges Handeln zum eigenen Vorteil zählt auch dazu. Den eigenen Vorteil zu Lasten eines anderen zu suchen, geht gar nicht.

Doch auch hier bleibt Luther nicht stehen, sondern geht einen wesentlichen und wichtigen Schritt weiter. Er weitet die Abwehr des Bösen zur Aufforderung, das Gute zu tun. Die Bibel weiß darum, dass es schon Sünde ist, das Gute zu wissen, es jedoch nicht zu tun.

Das Wohl des anderen im Blick behalten und sich gar dafür einzusetzen, dass sich dieses mehrt, zählt Luther zur großen Herausforderung des siebten Gebots.

Würde dies auch bedeuten, dass ich mich hier schuldig mache, wenn ich nicht auch darum bemüht bin, den Besitz des anderen zu bessern und zu beschützen? Eine spannende Frage!

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan