Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 3. Juni 2020

Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.
Psalm 34,16

Die Losung als ein Vademecum

Gerecht ist nicht jener, der allgemein als tugendhaft gilt. Gerecht ist jener, der sich zu Gott hält, ihm vertraut. Die Zuschreibung „gerecht“ erfolgt also nicht nach einer eingehenden moralischen Prüfung. Gerecht versteht sich von der Gottesbeziehung her.

Gerecht ist nicht gleichzusetzen mit glücklich sein. Wer Gott vertraut, ist nicht notwendigerweise und stets glücklich. Diese Gleichsetzung will nicht gelingen – weder aus der eigenen Lebenserfahrung heraus noch aus so mancher biblischen Erzählung.

Auch die Losung bringt den Gerechten in andere Zusammenhänge. Denn das Schreien, von dem hier die Rede ist, ist kein freudiges oder glückliches. Es ist vielmehr Ergebnis von Angst und Not.

Denn der Gerechte schreit in seiner Not zu Gott. Er kann von Gott nicht lassen. Wie dem Hiob gleich will er von Gott nicht lassen und die Not klagen. Ihn treibt die Hoffnung, dass Gott ihn nicht vergessen hat, ihn vielmehr wahrnimmt und sein Schreien hört.

Dem Gerechten will ich es gleichmachen in schweren Zeiten. Wo oftmals die Worte zu klein sind, um das schwere Erleben zu beschreiben, will ich darauf hoffen, dass Gott meine schwachen Worte hört.

So will ich die Losung als ein Vademecum für schwere oder schwierige Zeiten nehmen, als ein Zuspruch, der mich hält und mir Hoffnung gibt.

Denn Gott merkt auf mich und hört mich.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan