Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 27. Juni 2020

Gott, gedenke an deine Gemeinde, die du vorzeiten erworben und dir zum Erbteil erlöst hast.
Psalm 74,2

… ,dass Gott die Gemeinde vor Ort und die Kirche weltweit in seine Zukunft trägt

„Denk‘ ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht, ich kann nicht mehr die Augen schließen und meine heißen Tränen fließen,“ hat Heinrich Heine in seinen Nachtgedanken gedichtet. Und so mancher meint, man könne dies auf die Kirche übertragen. Denn auch hier sei man angesichts der Entwicklungen und Herausforderungen um den Schlaf gebracht.

Und ich will gar nicht widersprechen, dass die Kirche vor Herausforderungen steht, die nicht kleiner werden wollen, sondern wohl ein besonderes Wachstum erfahren. Diese will ich sehen und gleichfalls nicht den Schwanengesang anstimmen oder mich zu oft um den Schlaf bringen lassen.

Denn so mancher, der Heine zitiert, bleibt bei der ersten Strophe stehen. All jenen entgeht Heines Zuversicht und die letzte Strophe. Nun gebe ich zu, dass wir Heine heute nicht einfach nachsprechen können. Das will nur mit Brechungen gelingen.

Doch will ich seine letzten Zeilen umdichten und auf die Kirche beziehen: „Gott gedenkt an seine Kirch, schön wie der Morgen, und lächelt fort die kirchlichen Sorgen.“ (Der Reim stammt von Heine!)
Nun wird man mir mit solchem Reim Realitätsverlust und gar Arglosigkeit vorwerfen, und das zurecht.

Und doch will ich das Gebet der Tageslosung so wenden, dass Gott diese Bitte erhört und Gott selbst an seine Kirche denkt. Denn wir können sie allzumal nicht halten. Doch Gott will sie um der Menschen willen erhalten.

Damit ist nun nicht gesagt, dass diese Kirche, wie sie war, auch so bleibt. Hier mag so manches stürzen und sich ändern – auch uns lieb gewordenes.

Durch diese Änderungen gehen wir mit der Bitte und mit der Zuversicht, dass Gott die Gemeinde vor Ort und die Kirche weltweit in seine Zukunft trägt.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan