Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 25. Juni 2020

Ich, der HERR, bin dein Heiland, und ich, der Mächtige, dein Erlöser.Jesaja 60,16

Der lebendige Gott wendet sich uns Menschen mit Gnade zu.

Als Gott sich dem Mose am brennenden Dornbusch zeigte, sagte er: „Ich werde sein, der ich sein werde.“ (2Mose 3,14; Luther) In anderen Übersetzungen lautet dieses Selbstoffenbarung Gottes „Ich bin, der ich bin.“ oder einfach „Ich bin da.“

Diese Aussage hat schon Mose damals Schwierigkeiten bereitet. Denn mit einem „Ich werde sein, der ich sein werde“ von Gott sollte er zum mächtigen Pharao gehen und ihm sagen, dass dieser Gottes Volk aus der Sklaverei ziehen lassen soll.

Doch auch Bibelleser und Kommentatoren fragten sich stets, was denn damit gemeint sei. Gott ist der unfassbare, der lebendige, der nicht in Holz und Stein zu fassen ist, so könnte man sagen. Einige Kapitel später finden wir eine weitere Selbstaussage Gottes und Konkretion: „Ich … will ausrufen den Namen des HERRN vor dir: Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.“ (2Mose 33,19) Der lebendige Gott wendet sich uns Menschen mit Gnade zu.

Mit anderen Worten bringt es die Tageslosung zum Ausdruck. Wir sollen Gott als Heiland, Mächtigen und Erlöser wahrnehmen. Dabei fällt „der Mächtige“ irgendwie aus der Reihe, denn Heiland ist die deutsche Übertragung von Salvator bzw. Soter, was mit Erlöser zu übersetzen ist.

Aber wie passt die Macht dazu? Dabei ertappe ich mich, dass Macht leicht negativ besetzt wird. Das muss gar nicht sein. Denn Macht ist zunächst und vor allem die Möglichkeit, etwas durchzusetzen. Und das ist gar nicht grundlegend falsch oder schlecht.

So hat Gott die Macht, uns aus Not und Schuld zu befreien. Gott hat die Macht, uns Heil zu schenken. So verstanden ist die Macht kein Fremdkörper in dieser Aufzählung, sondern eine notwendige Ergänzung. Wenn Gott nicht der Mächtige wäre, wären auch mein Heil und meine Erlösung ungewiss. Doch so hat Gott auch die Möglichkeit, es zu tun.

Jüdische Väter sollen bei der Geburt ihres Kindes traditionell „Ich bin da!“ sagen. Ich bin da, sagt die Mutter dem ängstlichen Kind. „Ich bin da!“, sagt Gott zu uns. Als ein solcher Gott will er erfahren werden.

Und er tut es; Gott sei Dank!

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan