Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 24. Juni 2020

Wie die Erde hervorbringt, was sprießt, so wird Gott der HERR Gerechtigkeit sprießen lassen und Ruhm vor allen Nationen.
Jesaja 61,11

Von hier aus strahlt ein Licht in alle Schatten meines Lebens und dieser Welt.

Es klingt wie eine Selbstverständlichkeit. Wie aus einem Samen etwas wächst, wird sich Gottes Gerechtigkeit durchsetzen. Das will ich festhalten und glauben. Diese Zuversicht soll mich bestimmen.

Und doch merke ich, wie ich mich schwer tue. So selbstverständlich ist es doch nicht. Jeder, der Samen aussät oder Pflänzlinge setzt, weiß darum, dass nicht jeder Samen aufgeht und so mancher Setzling eben nicht wie erhofft treibt und Früchte trägt – trotz ausreichendem Gießen und Sonnenschein.

Ich gebe zu, dass solche Gedanken dem Spruch des Propheten Jesaja fremd sind. Der Prophet ist davon überzeugt. Seine Worte werden von größtmöglicher Zuversicht getragen. Gott wird sich mit seiner Gerechtigkeit durchsetzen.

Damit sind meine Bedenken nicht weggewischt. Sie werden weiterhin durch Erfahrungen aus Vergangenheit und Gegenwart geprägt, wo sich Gerechtigkeit eben nicht durchgesetzt hat, sondern vielmehr auf der Strecke geblieben ist.

Doch was ist die Konsequenz? Soll ich meine Hände in den Schoß legen? Ist alles egal und vergeblich, wenn die Welt an sich und für alle Zeiten böse ist und bleibt? Soll ich gar dem Rat von Hiobs Frau folgen: „Fluche Gott und stirb!“ (Hiob 2,9)?

Oder soll ich neuen Mut schöpfen und darauf vertrauen, dass sich Gott mit seiner Gerechtigkeit doch durchsetzt? Darauf will ich hoffen und mein Leben wie mein Handeln prägen lassen.

Denn „die Herren dieser Welt gehen“ (Gustav Heinemann) und unser Herr kommt mit seiner Gerechtigkeit.

Von hier aus strahlt ein Licht in alle Schatten meines Lebens und dieser Welt.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan