Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 16. Juni 2020

Das alles hast du dir doch selbst bereitet, weil du den HERRN, deinen Gott, verlässt, sooft er dich den rechten Weg leiten will.
Jeremia 2,17

Ruf der Umkehr zu Gott!

Was soll ich zu diesem Text schreiben? Es fällt mir schwer.
Soll ich mahnend schreiben und darauf verweisen, dass unser Tun stets auch Konsequenzen hat und nicht jedes Tun richtig und gut ist? Wir tragen Verantwortung für unsere Entscheidungen – auch für die falschen. Und die können manchmal sehr schmerzlich sein. Wie sieht es mit der Rede von der Strafe Gottes aus?
Oder soll ich dem Glauben an einen Tun-Ergehens-Zusammenhang widersprechen und die Botschaft von einem liebenden Gott dagegenhalten? Hat Jesus nicht selbst seinen Jüngern gesagt, dass sie es sich zu einfach machen, wenn sie hinter menschlichem Leid einfach persönliche Schuld vermuten?
Ich schwanke und merke, wie ich mich nicht entscheiden kann.
Doch ich bin ja kein Prophet wie Jeremia. Ich muss nicht so feststellend sprechen, als ob ich den Überblick über alles habe und gar den Einblick in Gottes strafendes Handeln. Ich habe nicht den göttlichen Durchblick, um sagen zu können: Gott straft Dich!
Als Mahnung kann ich die Losung aber sehr wohl aufnehmen, mein Handeln an Gottes Willen zu orientieren und danach auszurichten. Gleichfalls hoffe ich auf Gottes Gnade, denn ich weiß nur zu gut darum, dass auch mein Leben der Geschichte Israels in Glaube und Unglaube gleicht.
Damit wird die Losung zu einem Ruf der Umkehr zu Gott!

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan