Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 8. Mai 2020

HERR, lass mir deine Barmherzigkeit widerfahren, dass ich lebe.
Psalm 119,77

Der Rundumsorglosschutz steht auch weiterhin nicht zur Verfügung.

Es ist schon faszinierend, wie der Herzschlag der Mutter und der des Kindes in ihrem Leib im Einklang miteinander schlagen. Beide Herzen schlagen synchron, auch wenn der Herzschlag des Kindes doppelt so hoch ist. So trägt sie nicht nur ein Kind unter ihrem Herzen, sondern beide Herzen schlagen aufeinander bezogen, miteinander im Einklang.

Ich bin nun kein Entwicklungspsychologe, um dies aus fachlicher Sicht sagen zu können. Und doch legt sich mir der Eindruck nahe, dass es nicht verwundern muss, warum Mütter und auch Väter ihre kleinen und manchmal auch großen Kinder zum Trost ans eigene Herz drücken. Das aufgescheuchte Herz des Kindes soll und darf wieder zum Einklang kommen.

Und noch etwas. Ein schlagendes Herz verweist auf pulsierendes Leben. Und so passen Barmherzigkeit und Leben zusammen. Denn wo ein warmes Herz ist, ist Leben.

Und so drückt uns Gott an sein warmes Herz, um im Bild der Barmherzigkeit zu bleiben. Und dies bedeutet für uns Leben.

Dabei fällt mir auf, dass die heutige Losung keine Feststellung ist, sondern eine Bitte. Diese Bitte entstammt der Erfahrung, dass das Leben stets auch bedroht ist und bleibt. Dieses Bewusstsein war in früheren Zeiten präsenter. Doch auch heute müssen wir durchaus schmerzlich neu lernen, dass unsere modernen Lebenserhaltungsmaßnahmen begrenzt bleiben. Der Rundumsorglosschutz steht auch weiterhin nicht zur Verfügung.

Umso mehr ergibt sich die Bitte an Gott:
Vater im Himmel,
Dir befehle ich mein Leben an, den Tag und auch die Nacht,
mein Können und Unvermögen, meine Freude und Sorge.
Zu meiner Bitte will ich auch die mir Nahen und Fernen zählen,
denn auch sie haben Deine Nähe und Barmherzigkeit nötig,
auf dass sie leben können.
Amen.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan