Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 3. Mai 2020

Zum Frieden hat euch Gott berufen.

1.Korinther 7,15

Wer meint Frieden zu haben, muss diesen behutsam pflegen.

Frieden ist ein großer Begriff. Als Schalom begegnet er uns im Alten Testament und umfasst alle Lebensbereiche. Er ist weit mehr als die Abwesenheit von Krieg. Schalom ist da, wo das Leben beste Voraussetzungen hat. Frieden ist da, wo lebensdienliche Verhältnisse sind, könnte man sagen.

Darum wird Gott selbst mit Frieden und Leben zusammengebracht. Er will dem Menschen beides geben und erhalten. Und doch bleibt Frieden ein Sehnsuchtsbegriff, weil wir Frieden so wenig haben. Es ist und bleibt ein zerbrechlicher Zustand. Wobei Zustand der falsche Begriff ist, denn Friede ist dynamisch, stets in Bewegung wie das Leben auch. Darum verlieren wir den Frieden auch so leicht.

Wer meint Frieden zu haben, muss diesen behutsam pflegen, damit er den Frieden nicht verliere. Das ist mit der Liebe nicht anders wie mit allen Beziehungsbegriffen.

Ein Blick in die Weltgeschichte macht mich schon zweifelnd. Ein Blick in so manche persönliche Lebensgeschichte macht mich ebenso zweifelnd. Angesichts des Willens zum Frieden ist doch zu viel Unfrieden im eigenen Leben und in dieser Welt. Da ist und bleibt eine Spannung zwischen dem Gott des Friedens und dem Unfrieden in dieser Welt. Oder anders formuliert: Der Mensch scheint dauerhaft unfähig zum Frieden! Er macht‘s wie die Schweine und zerstört seine eigenen Lebensgrundlagen.

Dagegen wünsche ich mir Frieden im eigenen Leben, im Leben anderer und in dieser Welt. Ich wünsche mir, dass der Chor der himmlischen Heerscharen in der Heiligen Nacht zu Jesu Geburt nicht vergeblich gesungen hat, sondern stets neu erklingt: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“ (Luk 2,14)

Ich wünsche mir, dass von mir selbst Frieden ausgeht und ich meinen wenn auch kleinen Beitrag dazu steure.
Ich wünsche mir, dass ich hier nicht allein bin.
Ich wünsche mir, dass Verantwortliche in den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft sich für gute Lebensbedingungen einsetzen. Dies kann nur da gelingen, wo wir trotz aller Verschiedenheiten miteinander leben können und wollen.

Denn Gott hat uns zum Frieden berufen!

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan