Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 28. Mai 2020

Der Kranke antwortete Jesus: Herr, ich habe keinen Menschen, der mich in den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt; wenn ich aber hinkomme, so steigt ein anderer vor mir hinein. Jesus spricht zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin!
Johannes 5,7-8

Indem Jesus sich an ihn richtet, ändert sich sein Leben.

Das Schicksal, das sich hier auftut, ist trostlos: „Ich habe keinen Menschen!“ Da ist die Quelle der möglichen Heilung in Sichtweite. Die Lösung aller Probleme ist zum Greifen nah. Und doch ist sie unerreichbar.

Tag für Tag das gleiche Szenario und das gleiche Ergebnis. Da sind zunächst und vor allem die sehnsüchtigen Blicke auf den Teich, von dem die Heilung kommen soll. Und am Ende jeden Tages die schmerzliche Erkenntnis: Ich war wiederum nicht dabei! Jeder Tag ist wie der andere. Es gibt keine Höhen und eigentlich auch keine Tiefen mehr. Es ist alles gleich geworden. Selbst der Rhythmus von Tag und Nacht will nicht mehr gelingen, da die Verzweiflung ihm auch den Schlaf raubt.

Die Zeit rinnt dahin. Gibt es so etwas wie einen lebendigen Tod? Dieser Kranke könnte ein Sinnbild dafür sein. Der Tod hat mitten im Leben ein leichtes Spiel, wo alles allein getan werden muss, obwohl man es allein niemals meistern kann. Nicht einmal sein Leid kann er mit einem anderen teilen. Niemand nimmt ihn wahr. Der Kranke ist ganz allein!

In diese trostlose Geschichte hinein nimmt Jesus jenen wahr, den niemand wahrnimmt – spricht zu jenem, zu dem niemand spricht. Dabei kommt die Lösung nicht vom lang ersehnten Wasser, sondern von Wort und Zuwendung Jesu.

Indem Jesus sich an ihn richtet, ändert sich sein Leben. An vielen Stellen in den Evangelien begegnen wir solchen Szenarien, solchen Leben verändernden Begegnung mit Jesus. Das Leben kehrt zurück.

Ich wünsche mir, dass wir zunächst selbst von Jesus so angesprochen werden, auf dass neues Leben unsere Adern durchflutet und wir in Bewegung kommen. Und dass wir uns dann in diese Bewegung Jesu mit hineinnehmen lassen und jene entdecken und wahrnehmen, die keinen Menschen haben.

So stelle ich mir Gemeinde vor.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan