Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 26. Mai 2020

Der HERR schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage.
Psalm 14,2

Ich kann trotz aller menschlicher Klugheit dumm sein.

Ob Gott mich vom Himmel aus sieht? Nach menschlichen Standards bin ich nicht ganz dumm, könnte mich gar als klug bezeichnen. Da kann ich schon was vorweisen an Wissen und passenden Urkunden. Ich will nicht einmal ausschließen, dass mich auch andere für klug halten. Von daher sollte mich Gott vom Himmel aus unter den Menschenkindern sehen können.

Und doch frage ich nach. Könnte es sein, dass Gottes Maßstäbe für Klugheit andere sind als die menschlichen? Könnte es sein, dass Gott sich weniger von Wissen und Titeln beeindrucken lässt? Könnte es sein, dass Gott auf anderes achtet? Könnte es sein, dass, wer klug vor Menschen ist, noch lange nicht klug vor Gott ist?

Nun glaube ich nicht, dass Gott ein Verächter von menschlichem Wissen und Kompetenz ist. Gott ist wahrlich nicht dagegen. Gewiss freut Gott sich über die Erkenntnis und das Wissen von Menschen.
Und doch bleibt all das Torheit, wenn nicht die Grundorientierung an Gott selbst dies alles trägt und umfässt. „…, ob jemand klug sei und nach Gott frage“, steht da. Das sind nicht zwei unterschiedliche Dinge. Klugheit und Gottesfrage ergänzen sich nicht einfach gegenseitig. Vielmehr ist jener klug, der nach Gott fragt. Ich kann trotz aller menschlicher Klugheit dumm sein.

Bin ich bereit, bei allem umfänglichen Wissen nach Gott zu fragen? Und vor allem: Tue ich es? Das ist doch die entscheidende Frage und das Kriterium für Klugheit. Denn indem ich mich an Gott selbst orientiere, frage ich nach dem Architekten und Erhalter des Lebens. Und die Meinung, es allein schaffen zu können, macht mich bei allem großartigen Wissen dennoch dumm.

Denn ich muss erkennen, dass selbst das beste Wissen und die höchste Intelligenz das Leben oder die ganze Welt nicht friedvoller, liebevoller, beziehungsorientierter oder einfach auch nur gelingender gemacht haben. Gewiss gibt es privilegierte Gegenden. Doch auch in diesen gibt es zu viele Beispiele für Scheitern und Hoffnungslosigkeit. Und das soll klug sein?

Ich will nach Gott fragen. Denn ich merke, dass ich allein bei allem Wissen nicht zu Recht komme, gar scheitern kann.

Ich will nach Gott fragen, da von ihm das Leben kommt und er bei allem Scheitern will, dass Leben gelingt – bei mir und bei anderen.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan