Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 24. Mai 2020

Bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte.
Psalm 130,4

Daher will ich Gott fürchten.

Hier ist nicht von Angst die Rede, sondern von Ehrfurcht. Es ist die Ehrfurcht, die durchaus auch zu einem Erschrecken führen kann, vor einem Gott, der mir meine Schuld vergibt.

Es gehört wahrlich nicht zu den besten Merkmalen des Menschen und doch ist es eines der wesentlichen Merkmale des Menschen. Der Mensch kann sich unmenschlich verhalten! Bei aller Verschiedenheit des Geschlechts, der Sprache und Kultur verbindet uns Menschen diese Unmenschlichkeit. Und sie wird durch Gebote und Verbote, die wir uns geben, notwendigerweise begrenzt.

Die Bibel spricht von Sünde und vom Gesetz Gottes.

Ordnungen und Regeln reichen nicht aus. Sie begrenzen zwar Unmenschlichkeit. Sie überwinden sie aber nicht.
Wo Gemeinschaft und Beziehungen gebrochen werden, stellt sich die Frage, wie diese wieder zusammenkommen. Wie kann mit Schuld umgegangen werden?

Gottes Antwort ist zweifach und zeigt sich ein für alle Mal am Kreuz. Die Fratze menschlicher Schuld zeigt sich ebenso wie Gottes Vergebung. So erschrecke ich über meine Schuld und habe ehrfürchtigen Respekt vor Gott, der mir trotzdem vergibt.

Mit beidem wird deutlich, dass Schuld nicht einfach weggewischt, unter den Teppich gekehrt wird, doch dass sie nicht ihre kaputt machende Macht weiter ausüben kann, sie wird durch Vergebung und Gnade überwunden.

Wenn ich auf mein Leben schaue, kann ich gar nicht anders, als eigene und fremde Schuld zu entdecken. Ich kann ebenfalls nicht anders zu erkennen, dass ich von der Vergebung anderer Menschen lebe und auch andere auf mein Vergeben angewiesen waren.

Dort, wo sich die unmenschliche Fratze des Menschen zeigt, zeigt Gott sein menschenfreundliches Angesicht und wendet sich mir zu.

Daher will ich Gott fürchten.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan