Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 22. Mai 2020

Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn und mein liebes Kind? Denn sooft ich ihm auch drohe, muss ich doch seiner gedenken; darum bricht mir mein Herz, dass ich mich seiner erbarmen muss, spricht der HERR.
Jeremia 31,20

Der Mensch ist Gott teuer!

Kann der allmächtige und allwissende Gott seine Meinung ändern, fragt so mancher und antwortet mit einem deutlichen Nein. Gott kann nichts gereuen, heißt es dann. Wankelmütigkeit kann man Gott nicht zuschreiben.

Ein genauerer Blick in die Bibel lässt eine solche monolithische Vorstellung von Gott allerdings ins Wanken geraten. So eindeutig ist es gar nicht. Gott kann es gereuen und in der Mehrzahl der Vorkommnisse gereut Gott ein angekündigtes Unheil oder Gericht.

Gott kann es um seiner Liebe willen gereuen. Menschlich gesprochen schlägt bei Gott ein Herz. Und dieses Herz wird an vielen Stellen der Bibel deutlich, wenn es sich um der Beziehung zu seinem Volk und zu den Menschen regelrecht verzehrt. Gottes Herz schlägt für die Menschen, könnte man sagen.

Dabei ist das Volk Israel, für das Gottes Herz schlägt, gar nicht liebenswert. Es wendet sich stets von Gott ab, will eigene Wege gehen, vergisst Gott, will nichts von seinem Willen wissen. Die Bücher des Alten Testaments der Bibel sind voll solcher Geschichten. Diese Geschichten erzählen jedoch auch von einem Gott, der die Beziehung zu seinem Volk nicht aufgeben will.

Gottes Herz kann und will uns Menschen nicht entlassen, auch wenn wir uns noch soweit von Gott entfernen. Gott hat sich den Menschen zu seiner Herzenssache gemacht.

Von daher ist Gott der Mensch teuer. Gott kann gar nicht anders, als an den Menschen stets zu denken. Selbst das gebrochene Herz ist Gott nicht fremd, wenn der Mensch ihm die kalte Schulter der Ablehnung und des Vergessens zeigt.

Indem sich darum Gott immer wieder neu mir zuwendet, sich über mich erbarmt, lebe ich. Das ist der rote Faden in meinem Leben. Dabei muss ich bekennen, dass ich stets neu Gott das Herz breche. Ich lebe aus seiner Liebe heraus und erweise mich nur zu oft dieser Liebe nicht wert.

Ich habe Gottes Liebe nicht verdient und doch lebe ich aus ihr!

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan