Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 21. Mai 2020

Die ihr den HERRN liebet, hasset das Arge!
Psalm 97,10

„Ich liebe! Hilf meinem Unvermögen!“

Was soll ich dazu noch schreiben? Das ist doch offenkundig. Dazu bedarf es keiner weiteren Worte. So einfach ist das!

Wenn es doch bloß so einfach wäre. Denn sowohl die Gottesliebe als auch des Argen Hass zeigen sich schwierig. Beides gibt es nur fehlerhaft und gebrochen.

Wer von uns kann denn schon behaupten, dass er oder sie Gott von ganzem Herzen liebt? Wohl gemerkt „von ganzem Herzen“? Und wer von uns kann behaupten, dass er oder sie das Arge hasst? Und auch das „von ganzem Herzen“.

Gewiss werden wir sagen dürfen und können, dass wir böse Taten, das Arge, verabscheuen. Und so mancher, gewiss viele, vielleicht auch alle werden sagen können, dass sie von keinen arg bösen Taten wissen, die sie selbst getan hätten. Allerdings wäre zu fragen, was wir denn darunter verstehen.

Vielleicht müssten wir ja doch alle zugeben, dass wir auch zu jenen zu zählen sind, die nicht so einfach und selbstverständlich den ersten Stein auf andere werfen können, weil das eigene Arge im Leben uns davon abhält und der Balken im eigenen Auge doch größer als der Splitter im Auge des anderen ist.

Dennoch will ich sagen, dass ich den Herrn lieben will. Und ich will sagen, dass ich das Arge hassen will. Diesem Wollen will ich jedoch nicht minder wollend das Bekenntnis zur Seite stellen, dass mir beides nicht so recht gelingen will, dass ich hinter meinem eigenen Wollen zurückbleibe.

Aus dieser Spannung werde ich wohl nie herauskommen. Sie wird mich begleiten mein Leben lang.

So will Ich es mit jenem halten, der sagte:

„Ich glaube! Hilf meinem Unglauben!“

„Ich liebe! Hilf meinem Unvermögen!“

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan