Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 2. Mai 2020

Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.

Psalm 51,13

Ich kehre zu Gott zurück.

Es muss schon viel passieren, wenn sich jemand darüber sorgt, dass ihn Gott verwerfen könne und gar den Lebensgeist von ihm nimmt. Keine Perspektive bleibt. Der Lebensmut ist aufgefressen. Nichts geht mehr, außer die bleibende innere Unruhe, die einen um den Schlaf bringt. Eine Unzahl von Gedanken schwirren im Kopf, ohne dass man einen klaren Gedanken fassen kann. Das Herz ist schwer und rutscht regelrecht in die Hose. Der Blick wird leer. Man will fliehen und bleibt doch allein mit sich selbst. Ich erinnere mich an die Information TILT (auf Deutsch umkippen, umfallen) beim Flipperspielen. Dann ging nichts mehr.

Was mache ich, wenn nicht die Flippermaschine, sondern das eigene Leben TILT?

So oder so ähnliche Situationen sind uns nicht unbekannt. Sie gehören zum Leben. Situationen, in denen sich Gott verbirgt und wir in die Fratze eigener Sünde schauen. Bei David war es jedenfalls so. Von ihm stammt dieses Gebet.
Er hat Sorge, dass ihm Gott den Rücken zukehrt. Und wir wissen nur zu gut, was es bedeutet, wenn uns jemand den Rücken zukehrt. Es ist und bleibt ein Unterschied, ob wir in ein freundliches Gesicht schauen oder sich jemand bewusst von uns weggedreht hat.

Dabei macht David es nicht dem Münchhausen gleich und zieht sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf. Vielmehr reckt er seinen Arm einem Ertrinkenden gleich Gott entgegen.

Angesichts der eigenen Verstrickung in Schuld und Not, angesichts der Sorge, von Gott verworfen zu werden, wendet sich David an den, der verwerfen und erhalten kann. Er wendet sich Gott zu, von dem er sich mit seiner Schuld abgewendet hatte. Klassisch wird ein solcher Schritt Buße oder Umkehr genannt. Ich kehre zu Gott zurück.
Dies geschieht in Form einer flehenden Bitte. Was anderes ist nicht mehr möglich.

Ich wünsche niemandem eine solche Situation absoluter Verzweiflung und Verlorenheit. Doch falls diese doch eintreten sollte, möge Gott wieder sein freundliches Angesicht zeigen und uns neu das Leben schenken.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan