Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 18. Mai 2020

Jesus spricht: Der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
Johannes 14,26

…, dass er uns immer wieder neu ins Lesen der Bibel führt.

Sich verlassen zu fühlen, ist wahrlich trostlos. Auch noch von allen guten Geistern verlassen zu sein, ist noch trostloser. So müssen sich jedenfalls die Jünger Jesu gefühlt haben, als Jesus seinen Tod und Weggang benannte. Das waren und sind trostlose Perspektiven. Jesus geht fort und was bleibt, ist die Frage: Was bleibt? Oder härter formuliert: Waren wir bei Trost, dass wir diesem Jesus vertrauten?

Manch einem Christenmenschen stellt sich diese Frage heute noch. Oder sie wird von anderen gestellt: „Wie kannst Du Dich heute noch in dieser Kirche engagieren? Dieser mittelalterliche Glaube passt doch gar nicht zu einem aufgeklärten Menschen.“ Was sagt man dann, wenn man bei einer Familienfeier zusammensteht und ganz beiläufig darauf angesprochen wird?

Die Zeiten sind zunehmend vorbei, wo die Zugehörigkeit zur Kirche selbstverständlich war und der Glaube in aller Regel unwidersprochen. Sind wir also noch ganz bei Trost, wenn wir noch an diesen Jesus glauben und seinem Gott vertrauen? Da ringt man schon mal nach den passenden Worten oder bleibt die Antwort schuldig.

Was Jesus seinen Jüngern verspricht, ist zweierlei: Ihr bleibt nicht allein und es gibt eine Selbstvergewisserung, indem Gott euch den Heiligen Geist schickt.

Besonders die Selbstvergewisserung will ich betonen, denn sie wird umso wichtiger, umso weniger Glaube selbstverständlich wird. Und sie wird gerade auch da wichtig, wo wir kritisch hinterfragt werden, wo Glaube nicht mehr selbstverständlich ist.

Das eigene Wissen um den Glauben, um das, was Jesus sagte und wollte, wird wichtiger und entscheidender. Es geht um eine Sprachfähigkeit in Glaubensfragen. Und genau hier verspricht Jesus die Unterstützung des Heiligen Geistes, indem dieser an Jesus erinnert. Nicht ohne Grund wird der Heilige Geist auch Geist Christi genannt.

In guter evangelischer Tradition verbindet sich dabei der Heilige Geist mit dem Wort Gottes. So verstehe ich, wenn Jesus davon spricht, dass der Geist lehrt und erinnert, „was ich euch gesagt habe“. Zum Wirken des Geistes gehört es demnach, dass er uns immer wieder neu ins Lesen der Bibel führt.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan