Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 17. Mai 2020

Der HERR, unser Gott, neige unser Herz zu ihm, dass wir wandeln in allen seinen Wegen.

1.Könige 8,58

Gottes Weg des Lebens

Gern sehe und präsentiere ich mich als einen aktiven und selbstbestimmten Menschen. Ich entscheide, was ich tue und was eben nicht. Ich bin Herr meiner selbst, denn ich bin ein aufgeklärter und moderner Mensch. Die Soziologen und Philosophen sprechen von einem „expressiven Individualismus“ in postmodernen Zeiten auch in religiösen Fragen.

Manchmal bin ich mir gar nicht so sicher, ob wahrlich alles so einfach selbstbestimmt ist und ich frei entscheide. Manchmal frage ich mich auch, ob das immer und überall auch so gut ist, ob die freie Entscheidung wahrlich so frei ist.

Das Ganze ist viel komplexer, als es mir manchmal lieb ist. Und ich fange erst gar nicht an zu bestreiten, dass dieser ach so freie Mensch, auch Zwängen unterliegt – manche sind gut, von anderen kann ich das so nicht sagen.

Aufgrund dieser Ambivalenzen im eigenen Leben kann ich die Bitte der Losung sehr gut nachvollziehen: „Herr, neige mein Herz zu Dir!“ Und ich ergänze: „Mir ist es gar nicht möglich, da zu viel anderes an diesem Herzen zerrt.“

Mein Herz als Entscheidungszentrum, so sieht es jedenfalls die Bibel, braucht göttliche Hilfe. Denn mein Herz weiß durchaus auch nicht, wohin ich gehen soll, und manchmal entscheidet es auch unter falschem Zwang und falsch.

Dabei wollen ja viele mein Herz bestimmen und beeinflussen. Nicht alle Einflüsse tun diesem gut. Umso wichtiger wird es, dass Gott selbst mein Herz zu ihm hinwendet.

Und so kann ich dann meinen Weg durchs Leben gehen. Doch nicht irgendeinen Weg gehe ich, sondern Gottes Weg des Lebens.

Dabei ist es kein einsamer Weg alleine, sondern ein Weg, den ich mit anderen gemeinsam begehe und wir uns so gegenseitig begleiten. Auch das tut gut!

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan