Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 16. Mai 2020

Der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewiglich.

Jesaja 51,6

Vielmehr bleibt bei allem Enden und Gehen Gottes Heil selbst.

Es gehört zu den schmerzlichen und durchaus verdrängten Erkenntnissen, dass das Leben und diese Welt endlich ist. Eigentlich könnte es ja so weitergehen. Und wir unternehmen auch vieles, damit es nicht zu Ende geht. Die Errungenschaften modernster Medizin erhalten zunehmend Leben, das vor Jahrhunderten oder gar vor Jahrzehnten nicht mehr zu retten war.

Ein anderes Bild zeigt sich, wenn wir auf die schmelzenden Eismassen an den Polen blicken. Die Zukunftsszenarien der Experten sind eher düster und der Klimaschutz in Politik und Gesellschaft bestenfalls zurückhaltend.

Hunger und Kriege zeichnen ebenfalls dunkle Bilder.

Es gab Zeiten, da kamen die Endzeitpropheten aus der Kirche und riefen zur Umkehr zu Gott auf. Heute hat man den Eindruck, dass die Endzeitpropheten aus anderen Bereichen kommen und in der Kirche das Ende aller Zeiten kaum noch bedacht wird.

Das „Memento Mori“ (Gedenke, dass du sterblich bist!), was über viele Jahrhunderte allgegenwärtig war, verschieben bzw. verdrängen wir und verlieren die „Ars Moriendi“, die Kunst des Sterbens. Dabei gehört die Endlichkeit unseres Lebens zur Würde unseres Lebens. Wir gehen viel pfleglicher mit dem Leben um.

Doch nicht nur mit Blick auf das eigene Leben ist die Erkenntnis der Endlichkeit von Bedeutung, sondern auch mit Blick für die Welt. Denn der Glaube an eine grenzenlose Verfügbarkeit der Erde ohne Ende hat zu ihrer maßlosen Ausbeutung geführt. Wenn alles immer da ist, kann es auch ohne Maß verbraucht werden. Doch alles auf der Erde ist endlich und verlangt nach Maß und Ziel, nach Pflege und Nachhaltigkeit.

Nur einer ist ewig, Gott selbst. Er wird am Ende allen Lebens und aller Welt noch sein. Daraus folgt die Zuversicht, dass mein Heil durch Gott auch bleiben wird. Das hebt die Endlichkeit meines Lebens und dieser Welt nicht auf.

Vielmehr bleibt bei allem Enden und Gehen Gottes Heil selbst. Darum ist nicht der Untergang das Ziel aller Rede von der Endlichkeit, sondern Gottes Heil und das Leben durch ihn.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan