Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 14. Mai 2020

Erforscht euch selbst, ob ihr im Glauben steht; prüft euch selbst! Oder erkennt ihr an euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist?

2.Korinther 13,5

Dass Christus in mir ist, ist nicht die Prüfungsfrage.

Der neutestamentliche Text der Herrnhuter Losungen kommt mit einem großen Prüfungsauftrag daher. Dabei fällt mir auf, dass es sich um eine Selbstprüfung handelt. Ich soll nicht den Glauben anderer prüfen, sondern meinen eigenen. Prüfungskriterium ist „Christus in mir“ und die Frage, ob dies Auswirkungen in meinem Leben hat.

Was wäre also anders in meinem Leben ohne Christus? Zeigt sich Christus in dem, was ich tue oder lasse? Christen sind ja im eigentlichen Wortsinne jene, die Christus hinterherlaufen. Anders formuliert, sind Christen da, wo ihr Herr und Heiland ist.

Der Augustinermönch Thomas à Kempis (aus Kempen am Niederrhein) schrieb im 15. Jahrhundert von De Imitatione Christi, auf Deutsch von der Nachfolge (eigentlich Nachahmung) Christi. Sein Buch gehört zu den meist gelesenen Andachtsbüchern der Christenheit. In ihm beschreibt er die verschiedenen Aspekte eines geistlichen Lebens als Christ. Es geht um Stille und Gebet, Gottesvertrauen und Glaube, um die Sakramente und das ewige Leben.

Die Nachahmung Christi oder das geistliche Leben umfasst alle Bereiche menschlichen Lebens sowie die Beziehung zu Gott. Damit sind Christen in eine Kreuzesbeziehung gestellt: vertikal zu Gott und horizontal zur Welt.

Aus dem Amerikanischen stammt das Motto „What would Jesus do?“ („Was würde Jesus tun?“). Hier erhält die Nachahmung Christi einen deutlichen Handlungscharakter. Der Fokus liegt auf dem menschlichen Tun. Auch das hat seine Bedeutung und Berechtigung, wenn es eingebettet bleibt in der vertrauensvollen Beziehung zu Gott im Beten und Hören auf Gottes Wort. Denn unser Handeln macht nicht unseren Glauben aus. Vielmehr erwächst unser Handeln aus unserem Glauben.

Wie steht es daher mit meiner Kreuzesbeziehung? Dass Christus in mir ist, ist nicht die Prüfungsfrage. Prüfungsfrage bleibt jedoch, welche Kreise dieser „Christus in mir“ ziehen darf.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan