Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 12. Mai 2020

Der HERR sprach zu Salomo: Bitte, was ich dir geben soll! Salomo sprach: Du wollest deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, dass er dein Volk richten könne und verstehen, was gut und böse ist.
1.Könige 3,5.9

Nur mit dem Herzen sieht man richtig.

Aus dem Märchen wissen wir, dass man vorsichtig sein sollte mit seinen Wünschen, auch wenn man im Märchen manchmal drei zur Wahl hat. Zu schnell sind die Wünsche erfüllt, ohne irgendeine Nachhaltigkeit entwickeln zu können. So können manche Wunscherfüllungen wie Schall und Rauch verpuffen. Bevor man sich an ihnen freuen kann, sind sie schon wieder weg.

Dagegen war Salomo gut beraten, um ein gehorsames Herz zu bitten. Dies wiederum irritiert den modernen Menschen wie mich. Denn Gehorsam steht nun wahrlich nicht hoch im Kurs. War er noch vor 50 Jahren wichtiges Erziehungsziel, wird Gehorsam kaum noch benannt.

Und doch hat der Gehorsam gegenüber Gott eine wichtige Konsequenz. Wenn allein Gott selbst mein Gehorsam gilt, macht dieser mich frei gegenüber allen anderen, die durchaus auch Gehorsam von mir verlangen wollen. Ihr Anspruch muss sich erst an Gottes Ansprüchen messen lassen. Damit wird Salomo frei, den Menschen unparteiisch und offen zu begegnen.

Und zum anderen geht es um eine Herzenssache. Mit Blick auf sein Richten will Salomo mit dem Herzen richten. Gut und böse, richtig und falsch, sind nicht Ergebnisse nüchtern rationalen Abwägens, sondern Herzensfragen. Salomo nimmt hier auf, dass es nicht einfach um Sachen, sondern um Menschen geht.

Hier kommt dem Herzen als Zentrum menschlicher Entscheidung eine zentrale Bedeutung zu. Denn nur mit dem Herzen sieht man richtig, heißt es an anderer Stelle.

So wünsche ich mir auch einen Teil dieser salomonischen Weisheit, Klugheit und Herzlichkeit.

Im Gehorsam zu Gott wende ich mich in aller Freiheit von Herzen den Menschen zu und bin mit ihnen gemeinsam unterwegs.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan