Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 8. April 2020

Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus.

Psalm 51,14

Trotz eigener Schuld bleibt die Hoffnung, dass Gott es gut meint.

König David steckt in einer Krise. Die Affäre um Bathseba wurde gerade aufgedeckt. Das ist ein Skandal, würde man heute sagen. Er kann es nicht mehr leugnen, vor sich selbst nicht, vor anderen nicht und vor Gott nicht. Da ist die Bitte an Gott nicht einfach allgemein, sondern existentiell geerdet. Sie entspringt persönlicher Schuld und Not gleichermaßen.

Ich versuche mich in die Situation des David zu versetzen. Da hat er doch tatsächlich etwas so richtig gegen die Wand gefahren. Da ist er aus eigener Schuld in eine Sackgasse geraten ohne Wendemöglichkeit und ohne Rückwärtsgang. Die eigenen Möglichkeiten helfen nicht mehr. Es herrscht totale Hilflosigkeit und Verzweiflung. Nichts geht mehr! Es bedarf eines Eingreifens von außen, von oben.

Da hat jemand sein Leben so richtig verbockt. Es gibt keine Zukunft mehr und keine Hoffnung. Und es können keine äußeren Umstände zur Verantwortung gezogen werden. Die Schuld liegt bei einem selbst.

Aus dieser Erkenntnis heraus verstehe ich die doppelte Bitte. David hofft, dass Gott ihm hilft. Wer sollte es sonst tun? Und gleichzeitig bittet er um eine neue Bereitschaft, auf Gott zu hören und seinen Willen zu beachten. Indem er Gott auch darum bittet, signalisiert er, dass er selbst seine Schwäche und Begrenzung wahrnimmt. Aus eigener Leistung ist mir das nicht möglich. Ich bin auf Hilfe von außen, von oben angewiesen.

Ich wünsche niemanden eine solche Erfahrung. Gleichfalls befürchte ich, dass sie nicht zu vermeiden ist. Zu widersprüchlich handeln wir. Zu widersprüchlich sind wir selbst. Dies zu erkennen und zu bekennen, ist nichts anderes als Sündenerkenntnis und Sündenbekenntnis.

Denn hinter dem ganzen Skandal sieht David die eigentliche Sünde, Gott nicht beachtet zu haben. Wäre Sünde nur ein moralischer Mangel, könnten wir diesen durch eigene Anstrengungen versuchen zu korrigieren. Wer so denkt, meint auch ohne Gott gut leben zu können. Im Unterschied dazu wendet sich David ganz neu Gott zu. Von seiner Güte her erhofft er eine neue Zukunft für sein Leben; nimmt sein Leben als ein Gottesgeschenk an. Er hofft, dass es Gott erneut gut mit ihm meint.

Das ist eine wahre Erfahrung, die zur Karwoche passt. Trotz eigener Schuld bleibt die Hoffnung, dass Gott es gut meint.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan