Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 5. April 2020

Lobet Gott in den Versammlungen.

Psalm 68,27

Wie werden wir wieder zusammenkommen, um Gott zu loben?

Das mit den Versammlungen klappt gerade nicht und das ausgerechnet zu Beginn der Karwoche. Wir erleben augenblicklich eine besondere Fastenzeit, die auch das Gemeinschaftsfasten miteinschließt. Und sie wird nicht einfach mit Ostern abgeschlossen sein, wie es sonst üblich ist.

Gewiss helfen wir uns mit Onlineangeboten und anderen Kontaktmöglichkeiten. Und doch lebt christliche Gemeinschaft von der leiblichen Gegenwart, die vielen schmerzhaft fehlt.

In diesen Tagen las ich einen Text von Tomáš Halík, tschechischer Soziologe und Priester, einer der großen Denker seines Landes. Er stellt sich der Frage, was uns Gott mit den leeren Kirchen sagen will.

„Ich werde jedoch die Frage nicht los, ob die Zeit der leeren und geschlossenen Kirchen für die Kirche nicht einen warnenden Blick durch das Fernrohr in eine verhältnismäßig nahe Zukunft darstellt: So könnte das in ein paar Jahren in einem Großteil unserer Welt aussehen. Sind wir denn nicht genug gewarnt durch die Entwicklung in vielen Ländern, in denen sich die Kirchen, Klöster und Priesterseminare immer weiter leerten und schlossen? (…)
Vielleicht zeigt diese Zeit der leeren Kirchen den Kirchen symbolisch ihre verborgene Leere und eine mögliche Zukunft auf, die eintreten könnte, wenn die Kirchen nicht ernsthaft versuchen, der Welt eine ganz andere Gestalt des Christentums zu präsentieren.“

Und ich frage mich, ob ich diese Fragen nicht gerade zulassen sollte. Da bin ich mit dem Krisenmanagement beschäftigt. Da sind viele höchst kreativ und aktiv dabei, dass in den Gemeinden auf vielfältige Weise Kirche weiterhin möglich bleibt. Die Vielfalt reicht von Onlineangeboten über Telefonseelsorge bis hin zum Verteilen von Andachten in Briefkästen. Wir sind gut unterwegs!

Doch was ist, wenn die leeren Kirchenbänke ein Fingerzeig Gottes auf die eigentliche Leere sind, wie Halík sich fragt, und wir nach dem „Regime des Corona“ auch als Kirche andere sein werden oder gar andere sein müssen? Vielleicht ist es ja noch zu früh zu fragen, welche Lehren wir aus der Krise ziehen. Doch eines sollten wir schon jetzt festhalten: Krisenzeiten der Kirche waren stets auch Zeiten des Innehaltens, des Nachfragens, der Umkehr und Buße. Was will Gott uns damit sagen, dass wir gerade dem Gotteslob in den Versammlungen nicht so einfach nachkommen können?

Das sind keine einfachen Fragen. Und die Herausforderung bleibt: Wie werden wir wieder zusammenkommen, um Gott zu loben?

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan