Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 30. April 2020

Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind.

Psalm 73,1

An zwei Worten bleibe ich hängen: dennoch und reinen. Würde der Psalmvers lauten „Gott ist Israels Trost für alle, die ein Herz haben“ würde ich weniger ins Nachdenken kommen. Doch diese beiden Wörtlein verändern alles.

Was ist mit „dennoch“ gemeint? Ich vermute ein trotziges Dennoch des Glaubens. „Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen“, hat Martin Luther in Ein feste Burg ist unser Gott gedichtet. Da ist es dieses Trotzdem des Glaubens.

Selbst wenn mein eigenes Erleben dagegen spricht und ich nur noch mit Sorge auf mich und diese Welt blicke, wenn nichts mehr geht oder gehen will, wenn sozusagen alles den Bach hinuntergeht, schleudere ich dem allen das Dennoch des Glaubens entgegen.

Dabei muss ich zugeben, dass mein Glaube auch ein schwacher und verzagter Glaube sein kann, der dann zitternd und schüchtern trotzig bleiben will. Denn Gott ist meine Zuflucht und mein Trost.

Während mich das Dennoch motiviert und stärkt, verwirren mich die reinen Herzen. Sind damit die Ritter ohne Furcht und Tadel gemeint? Oder jene „ohne Sünde“? Weder als Ritter noch als jemand „ohne Sünde“ würde ich mich hier gut machen. Ich würde nicht zu den allen gehören, für die Gott der Trost ist.

Oder sind die „reinen Herzen“ jene mit Furcht und Tadel, mit Zittern und Zagen, doch ohne falschen Hintergedanken. Dann könnte rein für offen und ehrlich stehen. Dann wäre es weniger ein moralisches Urteil und vielmehr ein Frage der Haltung und des Seins.

„Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz“, hat David gebetet (Psalm 51,12). Er wusste um seine tief schwarze Seele. Vielleicht sollte ich das auch tun.

Schlussendlich bleibt diese tiefe Zuversicht, die die heutige Losung ausstrahlt. Diese nehme ich gern in den Tag mit.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan