Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 29. April 2020

Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu.

Prediger 9,10

Gott traut mir ein verantwortungsvolles Handeln zu.

Das Buch des Predigers im Alten Testament ist regelrecht berühmt für seine nüchternen Ansagen. Hier und da geht es auch in eine pessimistische Weltsicht über. Schnell könnte ich die Aufforderung zum Tun als Gesetz verstehen. Und ganz so falsch würde ich gar nicht liegen. Das Gesetz besagt, was ich zu tun und zu lassen habe.

Doch will ich es wagen, diese nüchterne Aufforderung als Evangelium, als gute Nachricht zu verstehen, auch wenn so gar nicht von Gnade und Barmherzigkeit die Rede ist.

Als Zusage und Verheißung verstanden, lässt sich diese Aufforderung auch so lesen: Ich darf die Dinge mit meiner Kraft angehen!

Gott traut mir, andere trauen mir und auch ich darf mir zutrauen, Verantwortung zu übernehmen, Aufgaben anzugehen – und das nicht aus fremder Kraft oder aus Supermannphantasien heraus, sondern aus der Kraft, die mir zur Verfügung steht.

Hier wird vieles ermöglicht und so manches begrenzt, da auch meine Kraft ihre Grenzen hat. Und beides ist entscheidend für das eigene Tun und Lassen. Wohl dem, der hier eine gute Balance findet.

Wenn ich den Spruch beherzige, bewahrt dieser mich vor einem Burnout (Ausbrennen) oder vor einem Boreout (Langeweile), vor einer Über- oder Unterforderung. Beides kann geschehen, wenn ich nicht das richtige Maß zwischen Arbeit und Ruhephasen, zwischen Anspannung und Entspannung finde. Dabei wird auch meine eigene Verantwortung in diesen Dingen angesprochen.

So wird mir die Aufforderung regelrecht zum Trost. Allerdings muss ich auch gestehen, dass sie trostlos werden kann, wenn ich stets damit konfrontiert werde, dass ich selbst oder andere über mich meinen, dass ich nicht genüge. Dann wird die Aufforderung zum trostlosen Gesetz.

Dennoch bleibe ich dabei: Die heutige Losung traut mir was zu. Gott traut mir ein verantwortungsvolles Handeln zu. Dazu hat er mir bestimmte Gaben und Fähigkeiten gegeben, die ich mit allen Begrenzungen einsetzen darf und Verantwortung übernehmen kann.

Das ist und bleibt eine gute Nachricht, die mich motiviert.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan