Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 28. April 2020

So richtet nun euer Herz und euren Sinn darauf, den HERRN, euren Gott, zu suchen.

1.Chronik 22,19

Wie wichtig ist mir Gott, dass ich mir die Mühe der Suche mach?

„Ich verstecke mich im Schrank und Du, Papa, suchst mich!“, lauteten die Anfänge des Verstecken Spielens. Aus Erwachsenperspektive eine eigenartige Vorstellung, wusste ich doch, wo mein Kind ist, was musste ich da noch lange suchen. Später las ich, wie wichtig solche Versteckenspiele sind – und nicht nur für kleine Kinder. Sie gehen der Frage nach: „Wie wichtig bin ich einem anderen, dass er oder sie mich sucht?“

Auf Gott übertragen, könnte ich fragen: Wie wichtig ist mir Gott, dass ich mir die Mühe der Suche mache? Damit ist auch die Erkenntnis verbunden, dass mir Gott abhandenkommen kann oder er sich selbst verbirgt. Beides kenne ich.

Letzteres hat mit der Unverfügbarkeit Gottes zu tun. Gott habe ich weder in der Tasche noch im Schrank, um ihn nach Belieben hervorzukramen, wie ich es mit einem alten Erinnerungsstück gelegentlich tue. Manchmal bleibt Gott mir auch in seinem Handeln oder Schweigen unverständlich. Auch da gilt es, dass ich mich auf die Suche mache.

Doch wohl viel öfter geschieht es, dass er mir im Alltag der Geschehnisse und Ereignisse verliere. Nicht, dass ich ihn verleugne oder mich gegen ihn entscheide. Vielmehr passiert es einfach, weil so vieles dann irgendwie ohne Gott geht.

Von daher frage ich mich schon, ist es Gott mir wert, dass ich mich auf die Suche mache, um ihn (erneut) zu finden.

Dabei fällt mir auf, dass die Suche Aufgabe von Herz und Sinn ist. Dabei ist nach biblischer Lesart das Herz das Entscheidungszentrum des Menschen. Der Sinn beschreibt meine Wahrnehmung. Denn machen wir uns nichts vor, wir betrachten alles durch eine bestimmte voreingestellte Brille. Es bleibt nur die Frage, wer und was darf diese Brille voreinstellen, an wem oder was will ich mich orientieren.

So will ich die Aufforderung zu meiner eigenen machen und gleichzeitig hoffen, dass ich mit der Suche nie allein bleibe, sondern dass andere mit mir auf dem Weg der Gottessuche sind. Dabei bleibt unzweifelhaft, dass sich Gott finden lassen will. Das ist übrigens auch wesentliches Element des klassischen Versteckspiels, habe ich in einem Psychologiebuch gelesen.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan