Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 27. April 2020

Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN.

1.Mose 3,8

Denn Gott will da sein, wo der Mensch ist.

Die Geschichte vom Paradies zeichnet ein wundervolles Bild von Harmonie zwischen Gott und Mensch. Beide begegnen sich voller Vertrauen. Nichts ist verborgen. Warum sollte man auch dem anderen etwas verbergen?

Doch plötzlich stehen Bäume zwischen Mensch und Gott. Jedenfalls verstecken sich beide, Adam und Eva. Plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Zwischen Mensch und Gott hat sich ein Keil geschoben. War es den beiden zuvor noch nicht einmal aufgefallen, erkennen sie plötzlich, dass sie nackt sind. War die Offenheit und Schutzlosigkeit der Nacktheit zuvor gar nicht wahrgenommen, tritt nun Verbergung und Trennung an deren Stelle.

Und das Ganze wegen eines Vertrauensbruchs. Adam und Eva wollten es nicht mehr glauben, dass Gott es gut meint. Ihnen war das Vertrauen abhandengekommen. Sie wollten das Leben ohne Gott, also in die eigenen Hände nehmen.

Der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer, dessen 75. Todestag wir in diesem Jahr begehen, hat die Sünde als Entzweiung bezeichnet. Da geht eine Beziehung verloren, man entzweit sich. Das ist hier geschehen.

Ich traue dem anderen nicht mehr zu, dass es mit ihm und mir gut gehen kann oder dass der andere es eben gut mit mir meint. Ich traue es Gott nicht (mehr) zu. Dabei ist es oftmals ein schleichender Prozess, der den Vertrauensabfall oder den Vertrauensbruch markiert.

Und was macht Gott? Er lässt Adam und Eva nicht hinter dem Baum. Gott spricht sie an, sucht den Kontakt, die Begegnung.

Die Geschichte vom Sündenfall geht weiter. Adam und Eva müssen zukünftig „jenseits von Eden“ leben, in rauen Verhältnissen. Die Konsequenzen sind offenkundig. Und was macht Gott? Er wirft sie nicht einfach aus dem Paradies, sondern er rüstet Adam und Eva für ihre neue Lebenssituation aus. Auch Gottes Ort wird von nun an „jenseits von Eden“ sein. Denn Gott will da sein, wo der Mensch ist.
Ich will hinter meinem Baum hervorkommen, wenn Gott mich bei meinem Namen ruft, und neu ihm vertrauen. Dies wird immer wieder neu geschehen müssen, denn ich weiß sehr gut, wie oft ich hinter meinem Baum verschwinde, um mich vor Gott (und vor anderen) zu verstecken.

Ich will neu Vertrauen lernen!

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan